Mikro063 Der strenge Geruch der Verjährung

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Nachklapp Afd und Deutsche Einheit

Was können wir als Gesellschaft für ein besseres gegenseitiges Verständnis tun? West und Ost. AFD-Wähler und AfD-Hasser.

Vice: Ich bin aus Sachsen weggezogen, weil ich die Rassisten nicht mehr ertragen habe

Nachklapp Nachrichtenfolge #mikro061

Danke für das Feedback! Nur zur Klarstellung: Das ist als Ergänzung zu den normalen Sendungen gedacht, nicht als Ersatz.

Mikro061 Nachrichten

News: Tesla Produktionszahlen 3. Quartal 2017

Verge: Tesla is behind on Model 3 production

Zu den Lieferproblemen bei den Powerwalls: Capital: Tesla kann nicht liefern

Lobbyismus gegen Hirschurin

The New Yorker: Money, Power, and Deer Urine

Aktien steigen nach Todesschüssen

Vox: Gun violence in America, explained in 17 maps and charts

Finanzkrise ist vorbei – verjährt …

SZ: Die deutsche Finanzkrise ist abgehakt – für 43 000 Euro

(Ulrich sagt, 2017er Bilanz verjährt, gemeint ist natürlich 2007er …)

Island – 26 Banker zu Haftstrafen von zusammen 74 Jahren verurteilt Bloomberg: This Is Where Bad Bankers Go to Prison

Was tun gegen Finanzkrisen, wenn Manager und Politiker zu kurzfristig (in Quartalen bzw. in Legislaturperioden) denken?

(Die Abwicklungsanstalt der HRE heißt übrigens FMS, nicht 1. Abwicklungsanstalt (das ist WestLB-Abwicklung)

Picks

Ulrich: CleanElectric Podcast – Episode 40: Exklusiv-Interview mit Prof. Dr. Schuh/CEO von e.GO über ein kleines E-Stadtauto aus deutscher Produktion.

Der Tesla HEPA Filter und Bioweapon Defense Mode auf dem Prüfstand

Marco: Thomas Wagner – Die Mitmachfalle (Referrer Link!)

Bier

Ulrich: Kloster Scheyern – Klostergold hell
Marco: John Malcom – IPA für Rewe

Schulden-Tschöö

Pro Kopf Verschuldung

Je nach Liste liegen übrigens Kaiserslautern, Pirmasens, Siegburg, Offenbach, Ludwigshafen (trotz BASF!) in der Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde/Kommune vor Oberhausen … Viele Städte lagern Schulden in städtische Töchter aus, was manche Statistik nicht berücksichtigt …

Leverkusen ist übrigens nur durchschnittlich verschuldet (da erzählt Ulrich Mist), aber das mit den Steuertricks stimmt: Kölner Stadtanzeiger: Gewerbesteuer in Leverkusen Bayer Patentabteilung sitzt in der Steueroase Monheim

Bayer ist aktuell auf Platz 3 im Dax (95 Mrd. Euro) hinter SAP und Siemens.

Intro-Music: Title: “Femme Fatale: 30a”; Composer: Jack Waldenmaier; Publisher: Music Bakery Publishing (BMI)

20 Gedanken zu „Mikro063 Der strenge Geruch der Verjährung“

  1. Danke für die Folge wieder einmal 🙂

    Passenderweise war ich am Wochenende selbst in der alten Heimat (höhö) Rendsburg und habe den Anfang dieser Heimat-Debatte verschlafen. Ist ja erstaunlich, wie wenig man mitbekommt, wenn man plötzlich wieder nur Radio- und Fernsehnachrichten sieht. Ich denke, es macht einen riesigen Unterschied, ob man Begriffe wie Heimat oder Identität zur Selbstverortung benutzt, oder die als Hebel nutzt um andere recht gezielt damit auszugrenzen, wie es im rechten Spektrum gerne genutzt wird. Oder gar als etwas Bedrohtes, was geschützt werden muss nach dem Motto “Unsere Heimat und Identität werden von muslimischen Einwanderern bedroht und da müssen wir was tun”
    Diese Dialogidee von Marco gefällt mir übrigens gut, auch um überhaupt diese Aufgeregtheit aus der ganzen Debatte herauszubekommen.

    1. Ich hab schon auf Twitter gesehen, dass du die Bröselinfrastrukur im Norden Deutschlands live unter die Lupe genommen hast. Sehr löblich 🙂

      Diese Heimat-Debatte ist natürlich schräg, v.a. wenn man wie du (und ich) die Gefahr sieht, dass die Rechten den Begriff besetzen und ihn zum Ausgrenzen benutzen. Das ganz große Problem dabei: Es ist ein sehr positiv und extrem emotionaler Begriff. Den so mir-nichts-dir-nichts den Rechten zu überlassen und selber (wie Linke oder Grüne Jugend) bei dem Begriff nur Pickel zu bekommen und was von Kosmopolitismus zu erzählen, ist ein grober Fehler …

    2. Ja, ich halte diesen Abwehrreflex wie bei der grünen Jugend auch für grob falsch. Wenn die Rechten doch so gerne über Heimat reden, muss man das gleich ausnutzen. Denn bei denen müsste dann ja eigentlich das Verständnis für Flüchtlinge viel größer sein, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten, nicht zurückkehren können und nur von weitem zusehen können, wie alles zerstört wird. Das ist für mich auch der richtige Umgang mit AfDlern zb in Talkshows, bringt viel mehr als so merkwürdiges Theorisieren über Heimat und Identität.

      Ach ja, kurzer Insidebericht zu Bröseldeutschland 🙂
      Wenn man von Süden aus nach Rendsburg will, muss man den Nord-Ostsee-Kanal überqueren. Normal fährt man einfach weiter die A7 über die Rader Hochbrücke, außerdem gibt es noch einen Tunnel und Schwebefähre und paar Schiffsfähren. Tunnel und Brücke stammen aus den 60ern und wie immer wurde da lange nichts dran gemacht, die schwarze Null ist ja wichtiger.
      2011 hat man die sehr, sehr langwierige Tunnelsanierung begonnen, die dauert auch noch ein paar Jahre. Im Sommer 2013 hat man bei Routinearbeiten auf der Brücke allerdings festgestellt, dass sie total marode ist und jeden Moment zusammenklappen kann. Als Notfallmaßnahme wurde einige Monate lang die Polizei drumrum postiert, damit bloß kein Fahrzeug über 7,5 Tonnen drüberfährt. Mittlerweile dürfen zwar alle wieder, aber nur langsam und mit größerem Abstand, während nebenbei geflickschustert wird. Ergebnis: am Freitag auf jeder Seite 20km Stau und auf jeder Bundesstraße halbwegs in der Nähe über 10km. Oh achja, die Schwebefähre ist seit einem Unfall vor ein paar Jahren übrigens irreparabel kaputt, als der Fahrstuhl im Fußgängertunnel kaputt war, musste erstmal ein Fährschiff aus Kiel kommen.
      Fun Fact am Rande: Aktuell planen sie gerade die neue 6spurige Hochbrücke. Das muss aber alles fixer gehen als beim BER, die Sicherheitsgarantien für die alte Brücke laufen nämlich 2026 ab. Sonst ist der schnellste Weg wohl per Ruderboot 😀

    3. @Dieter Meyer:
      Man muss das Kind ja nicht mit dem Bade ausschuetten, sich aber bewusst sein, dass manche Menschen Tierrassen und Pflazenarten erhalten wollen, weil sie “arisch” sind.

    4. @Thomas

      Nachklapp:

      Ich weiss auch, dass Demeter Bauern bei Vollmond Hörner mit Kräutern in ihren Acker stellen und Kühe homöopathisch behandeln. Das ist grober Unfug. Davon lasse ich mir aber auch nicht die gesamte Biolandwirtschaft kaputt machen …

  2. Zwei Anmerkungen:

    Das Tortendiagramm über die AfD-Wähler finde ich ehrlich gesagt ziemlich irreführend. Klar, die AfD ist ein gesamtdeutsches Phänomen, darüber müssen wir nicht debattieren. Jedoch müssen wir über die Gründe reden, warum manche Menschen die AfD gewählt haben. Und die könnten sich doch erheblich zwischen Ost und West (aber auch zwischen anderen Faktoren) unterscheiden. Hätte Ost und West getrennt gewählt, dann hätte die AfD halt ‘nur’ 10.7% im Westen, aber 21.9% im Osten – und wäre dort zweitstärkste Kraft (https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2017-09-24-BT-DE/index-content.shtml). Und Analysen zeigen auch, dass der Ost-West Unterschied bestehen bleibt, auch wenn man andere Faktoren (Einkommen, Arbeitslosigkeit, Bildung) in die Analyse miteinbezieht.
    Und wo wir gerade dabei sind: die NSDAP Wahlerfolge der 30er sind wohl ein starker Erklärungsfaktor für AfD Erfolge (sogar wenn man auf verschiedene Faktoren kontrolliert). Soviel zum Thema kulturelle Faktoren. Mehr dazu hier: http://voxeu.org/article/alternative-f-r-deutschlands-electoral-success-shadow-nazi-voting

    Bezüglich Elektromobilität: Ich finde gut, dass ihr soviel darüber redet, ist ja ein wichtiges Thema. Vor allem danke für den Hinweis zu dem Podcast. Doch gerade Ulrich scheint auch ein wenig auf das gute Marketing von Tesla hereinzufallen: jeder redet über diesen Laden, doch andere Hersteller verkaufen mehr Fahrzeuge (z.B. Nissan) oder haben ähnliche oder bessere Technik bezüglich Elektromobilität und AI (deutsche Hersteller).
    Oder redet mal darüber, wie man eigentlich den ÖPNV, Zugverkehr, oder andere öffentliche Verkehrsträger stärken sollte/könnte (und ob und welche neuen Konzepte es da gibt oder fehlen), statt primär den Individualverkehr im Blick zu haben.

    1. Zur AfD habe ich in Folge 62 recht viel gesagt.. gerade was die Gründe im Osten betrifft.

      Im Westen sind das andere. Dachte aber, wir hätten da differenziert…?

      Tesla ist ja schönes Thema, aber auch zu overhyped. Werd gerade in einem Tesla heimgefahren, ich sehe da auch viel Schatten. Es geht Ulrich da eher um die Frage, ob der Produktionsplan hinhauen wird.

      mfg
      mh

    2. Hmmm, bin überrascht, dass ich Tesla-Fan rüberkomme … Wenn ich mich mit den Tesla-Fanbois vergleiche, bin ich doch viel skeptischer. Ich glaube nämlich im Gegensatz zu Tesla-Fanbois schon, dass der Produktions-Ramp-Up auf 500.000 Fahrzeuge im Jahr extrem schwierig wird, v.a. weil Tesla bei ALLEN Modellen hinter dem Produktionsplänen hinterherhinkte. Und das bei Autos, bei den Akkus, bei Solarzellen, immer. Ich bin daher sehr skeptisch, dass Tesla Ende 2018 wirklich eine Jahresrate von 500.000 Autos packt. Tesla ist übrigens auch deshalb so interessant, weil es die Firma ist, die am meisten Geld mit E-Autos verdient (bei der Anzahl Autos ist Tesla ja nur Nummer 2 hinter Renault-Nissan-Mitsubishi) und weil es die einzige Firma ist, bei der man E-Auto in Reinform als Aktie kaufen kann und diese Aktie irre hoch bewertet ist (und sich daraus eine “Once-In-Lifetime”-Short-Chance ergeben *könnte*. Denn ich rechne mit massiv steigender Konkurrenz (der Ioniq ist schon heute in D lieferbar und ehrlich gesagt sehe ich nicht so viele Dinge, in denen das Model 3 besser sein wird, wenn er Ende 2019 nach Deutschland kommt) und dann muss man auch mal abwarten, ob Tesla profitabel wird oder nicht. Ich bin am Ende nicht einmal davon überzeugt, dass der Ansatz von Tesla (so viel Akku wie möglich in die Autos zu packen, egal was die kosten und wiegen) in der Breite des Marktes der richtige ist. Deshalb auch der Podcast-Pick. Der Prof. Schuh spricht mir an einigen Stellen echt aus der Seele …

      Zur AfD Grafik: Die war als Kontrapunkt gedacht, weil sich die Diskussion beim Thema AfD zu oft auf den Osten beschränkt. Es ist eben kein rein wirtschaftliche Phänomen (15% AfD in Ingolstadt bei 2,9% Arbeitslosigkeit!), sondern auch ein kulturelles. Da kommt auch immer wieder das Medien-Thema dazu. Wir haben zunehmend Filterblasen und die Massenmedien verlieren an Einfluss (nicht unbedingt an Lesern/Hörern/Zuschauern, sondern an Einfluss auf die Diskussion). Das merkt man im Osten alles viel stärker, weil es dort nie Medien mit so viel Reichweite gab, die die öffentliche Diskussion “beherrschen” und “steuern” konnte (im Sinne von Themen setzen und diskutieren).

  3. Zum Thema Risikomanagement bei Banken möchte ich noch einen weiteren Aspekt hinzufügen.

    Der Vermögensverwalter Black Rock hat eine Risikomanagement Software/ Algorithmus Namens „Aladdin“ entwickelt. Dabei handelt es sich um Analyseinstrument mit angeschlossener Datenbank. So sollen die Risiken gesamter Portfolios überwacht und gesteuert werden können. Black Rock selbst rühmt sich damit, dass sie so ein Vermögen von über 14 Billionen Dollar verwalten. Und dabei weltweit unterschiedlichste Kunden bedient: Fonds, Banken, Zentralbanken und Vermögensverwalter. Durch das ständige beobachten der Finanzmärkte soll der Algorithmus täglich schlauer werden.
    Daraus ergeben sich erheblich Folgen:

    1. Black Rock hat einen Übersicht wohin und wann sich Kapital auf den Finanzmärkten bewegt (und das auch von Wettbewerbern).
    2. Eine Standardisierung von Risiken in der Finanzwelt. Viele (teils heterogene) Marktteilnehmer lassen ihr Risiko von der selben Software überwachen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Risiken nicht mehr erkannt werden. Alle schwimmen in die gleiche Richtung, und schauen nicht mehr nach links und rechts. Zusätzlich könnte die Gefahr bestehen, dass die Risikoaversion sinkt weil davon ausgegangen wird das immer ein liquider Markt besteht (hat Marco ja schön gesagt). Gerade wenn viele Portfolios von unterschiedlichsten Wettbewerbern welche in gegenseitiger Konkurrenz stehen überwacht werden.

    Kurz gesagt finde ich es nicht gut, wenn große Teile des weltweiten Risikomanagements bei einem Unternehmen ist. Natürlich ist da Black Rock ganz anderer Meinung. Hier ein kleines Video, wobei ich gleich vorweg sagen muss, dass hier ganz dick Aufgetragen wird alles super und so.

    https://www.blackrock.com/at/finanzberater-und-banken/uber-blackrock/about-blackrock/risikomanagement-mit-aladdin

    Ein weiter Punkt der mir immer wieder auffällt ist, dass versucht wird im Risikomanagement möglichst viel zu Standardisieren – sei es mit ISO Normen oder mit Basel I-III. Davon bin ich persönlich allerdings noch nicht so ganz überzeugt. Zum einen weil auf den Finanzmärkten heterogene Marktteilnehmer und Interessen bestehen. —> Eine wirklich sinnvolle Standardisierung ist so meiner Meinung nach nur bedingt möglich.

    Zum weiten wird es durch den hohen Reporting- und Risikomanagementaufwand es für kleinere und mittlere Banken immer schwerer zu überleben bzw. eine vergleichbare Rendite zu Großbanken zu erwirtschafte. Damit erreicht die Politik genau das Gegenteil zu dem was sie in den letzten Jahren immer erreichen wollte. (Zuminderst ist das bei mir immer so angekommen, dass die Politik lieber mehrere kleine Banken will). Wobei ich persönlich da auch eher bei Marco bin -größere Banken mit einer vernünftigen Eigenkapitalausstattung.

    Was ich mich bei der ganzen Diskussion immer Frage ist, ob es für Banken möglich ist Risiken ganz einfach in Fonds bzw. Tochtergesellschaften auszulagern? Oder würden die Risiken in einer Konsolidierten Konzernbilanz auch wieder auftauchen? Vielleicht weiß ja einer von Euch ob das möglich ist?

    P.S. Ulrich Du müsstest mal Dein Päckchen bei der Post abholen. Ich habe im Sendungsverlauf gesehen, dass es schon an der Postfiliale angekommen ist.

  4. Sorry, bin wie immer spät mit der Folge dran, schiebe beim Erscheinen den Podcast zwar auf den nächsten Platz, aber wenn der aktuelle grad ein Riesending a la CRE oder minKorrekt ist, dauert halt doch, bis ich zum Mikroökon. hören komme…
    Freue mich immer wieder über zwei Themen (über alle anderen trotzdem genauso): Afd und Tesla.

    Es wird ja immer wieder theoretisiert, wie diese Partei zu ihrem Erfolg auch in wohlhabenderen und gebildeten Schichten, besonders im Süden und Südwesten, kommt. Abseits aller Soziologie und Statistik habe ich da ein Bauchgefühl, das sich mit der Zeit entwickelt hat: Es gibt einfach einen, wohlwollend ausgedrückt, Anteil an Bevölkerung mit einem tief innewohnenden Hang zu aggresivem rechtstotalitären Gedankengut (habe das zu Lucke-Zeiten auf einem hiesigen Weinfest erlebt, als ein älterer, sehr wohlhabend wirkender Herr unaufgefordert angefangen hat, über Ausländer zu schimpfen, über Linke (würde heute ab CDU gelten, wegen der Flüchtlinge und gleichgesch. Ehe) und und und). Früher haben diese Leute es nicht gewagt, sich politisch zu äußern (abgesehen von der kurzen Zeit mit den Republikanern), heute haben sie mit der Afd ein finanziell gut aufgestelltes, kampagnenstarkes Sprachrohr und schämen sich nicht mehr, ihre Gedanken auf dem Wahlzettel zu äußern.
    Dann gibt es noch Städtchen wie Pforzheim, die traditionell stark rechte Wähler haben (habs jetzt nicht geprüft, aber zumindest ist das die Meinung vieler Schwaben und Badener).

    Der Tesla-Hype ist auch einigermassen erstaunlich. Es gibt dazu eine Berechnung, die ich natürlich nicht kontrollieren kann mangels Daten, nämlich dass der Strombedarf Deutschlands sich um 25% erhöhen würde, würden alle PKW elektrisch fahren (http://www.spiegel.de/spiegel/elektroautos-der-grosse-oekoschwindel-a-1163493.html, Paywall, Achtung, nicht alle Aussagen dort stimmen! #Qualitätsjournalismus). Wie hoch ist derzeit der Anteil an Ökostrom? Andererseits würde der CO2-Ausstoß Deutschlands um 50% sinken, würden wir statt elektrisch alle mit Gas fahren. Scheint mir sinnvoller, als Braunkohle durch den Akku zu jagen (ist jetzt grob grob grob vereinfacht). Ich bin ein großer Fan von Elektromobilität, aber damit möchte ich zeigen, dass die Meinung “wir haben ja schon Infrastruktur” der Realität nicht entspricht. Kraftwerke baut man nur in China über Nacht, und die Ladestationen und Stecker in den Laternen wachsen schon gar nicht von alleine.
    Viele Leute träumen ja vom Schnellladen, aber es wäre einmal interessant zu wissen, wo überall die dafür notwendigen 20kV Mittelspannungsleitungen liegen. In den Wohngebieten eher nicht, die Schnellladestationen werden hier kurzfristig meist nicht möglich sein. Und über Nacht bekommt man einen leeren Tesla mit 400V nicht wieder geladen.
    Der e.GO Life finde ich jetzt auch nicht grad ein Schnäppchen, das Basismodell ist zwar fast preiswert für den Stadtverkehr, aber mit Zubehör, damit das mehr als die Basiskutsche ist, wird das schnell teurer (Infotainment, Klima, …). Und das, was man heutzutage möchte, habe ich in der Preisliste nicht gesehen: Selbständiges Parken, Spuren von Autopilot, …
    Es ist doch aber so: Wir glauben, wir möchten ein Auto. Eigentlich jedoch möchten wir Mobilität, und ich persönlich hätte nichts dagegen, den rollenden und stehenden Verkehr hier in Stuttgart in der City zu zehnteln.

    PS: Wolltet ihr nicht mal einen Jingle? Mir würde ja der “Bierhipster” als Jingle für den gesellschaftlichen Anteil im Podcast gefallen. Nu?

    1. Aus dem “Bierhipster” ein Jingle zu basteln, hätte was …

      Beim eGo habe ich bis heute nicht verstanden, ob von den 16.000 Euro 4.000 oder 2.000€ E-Auto-Prämie abgehen. Wenn es 4.000€ wären, sehe ich einen Riesenmarkt (Pizzataxi, Pflegedienste, …)
      Spurassistenten in der Stadt, automatisch parken, etc. ist heute bei dem Preis einfach noch nicht drin. Alleine die Sensoren dürften aktuell noch ein paar Tausend Euro kosten. Da ist zwar eine Menge in Bewegung (die Preise für LIDAR-Sensoren sinken aktuell mit absolut irren 70-80% pro Jahr), aber noch sind wir weit entfernt davon, das alles in Auto für unter 20.000€ einbauen zu können. Die Frage ist dann sowieso, ob eine Firma wie eGo die nötige Software entwickeln kann. Ob man das in 5 Jahren auch noch von der Stange bei MobileEye/Intel einkaufen kann? Oder haben dann Tesla, Google (Waymo), Volkwagen oder GM die beste Technik exklusiv im Hause?

      Alles hochinteressantes Thema. Zum Strom lies mal das: http://www.wiwo.de/technologie/auto/elektromobilitaet-haelt-das-stromnetz-dem-e-auto-boom-stand/20231296.html (keine Paywall, guter Artikel). Der Autor kommt sogar auf nur 15%. Konnte die Zahl auch nicht glauben, habe auf Twitter mit ihm diskutiert. Scheint mir immer noch zu niedrig zu sein. Aber das ist deutlich näher an der Realität als die “Crashpropheten”, die einen 150% (oder noch mehr) erhöhten Stromverbrauch erwarten. E-Autos sind deutlich effizienter als Verbrenner (2/3 des Sprits verbrennen als Wärme und Übertragungsverlust im Auto), dazu kommt noch die Rekuperation beim Bremsen (was gerade in der Stadt richtig was bringt). Auf der Autobahn hingegen ist das E-Auto auch nicht wirklich effizienter als ein Verbrenner (nichts liebt ein Diesel mehr als konstant 120 auf der Autobahn zu fahren). Aber: Gerade deshalb fand ich den Podcast mit Prof. Schuh so interessant: Weil er auch klar sagt: Verbrenner müssen raus aus der Stadt (weil da Luftbelastung am höchsten), aber teurer und schwere Akkus für 500 Km-Reichweite ist für die Stadt unnötig. Deshalb: Verbrenner für die Autobahn, Elektro für die Innenstadt. Und das im Zweifelsfall auch nicht in zwei unterschiedlichen Autos, sondern in einem. Wenn du den Podcast mit Schuh noch nicht gehört hast (hat etwa die Länge unseres Podcasts): Hol es nach. Der ist *echt* gut, beste Podcastfolge, die ich jemals zu dem Thema gehört habe. Viel wichtiges wird dort angesprochen (u.a. gibt es eine Kooperation von eGo und einem Parkhausbetreiber: eGo an der Einfahrt abgeben, eGo parkt sich automatisch weg, 5 Minuten vorher über die App bescheid sagen, eGo fährt zum Ausgang. eGos werden sehr dicht auf Extra-Etage geparkt, also hat auch der Parkthausbetreiber was davon). Das Thema “Gas” fehlt allerdings. Wundere ich mich auch, warum die Verbrenner-Freaks in Wolfsburg und Ingolstadt nicht mehr darauf setzen. Stößt 30%(?) weniger CO2 aus, wenn man Biogas zumischt, wird es noch besser. Schneller (und mit weniger Änderungen) kann die deutsche Automobilindustrie ihren CO2-Ausstoß nicht senken. Ein eGo mit gasbasiertem Range-Extender wäre ein Knaller; leider ist das Gas-Netz zu dünn, um damit das Problem (“leerer Akku”) immer lösen zu können.

    2. Ach so: Ein Punkt noch: Schnellladen in Wohngebieten ist nicht wichtig. Zu Hause habe ich die ganze Nacht zum Aufladen. Schnellladestationen reichen an Tankstellen, an Autobahnen, und für Notfälle an Einkaufszentren oder auch an P+R Parkplätzen (wobei ich da für Pendler auch kein Schnellladen brauche).

      Generell werden laut Stromversorgern die Bürgersteige alle 5-10 Jahre aufgerissen, aus welchem Grund (Wasser, Strom, Gas, Telefon) auch immer. Bei koordinierter Vorgehensweise ist es ziemlich unproblematisch, mehr Strom (und übrigens auch Glasfaser) in einem solchen Zeitfenster in den größten Teil Deutschland zu bekommen (also 25% der Fläche, was 75% (oder mehr) der Bevölkerung entspricht)

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