Mikro084 Wirtschaftliche Grundbildung mit Dieselverboten

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Intro-Music: Title: “Femme Fatale: 30a”; Composer: Jack Waldenmaier; Publisher: Music Bakery Publishing (BMI)

17 Gedanken zu „Mikro084 Wirtschaftliche Grundbildung mit Dieselverboten“

  1. Zum Thema Wirtschaftsunterricht in der Schule und die Umfrage in der Zeit:
    In dem Online-Test auf Zeit.de tauchen Fragen auf die, meiner Meinung nach, mit den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten nicht „lösbar“ sind und somit, würde ich sagen, belegt der Test nicht notwendigerweise die Kenntnis oder Unkenntnis der Deutschen.
    Beispielsweise taucht die Frage auf, ob man, wenn man seine Kinoeintrittskarte verloren hat, sich eine neue Eintrittkarte für 10€ kauft. Die Frage kann man im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext nicht mit Ja oder Nein beantworten. In der Verhaltensökonomik gibt es beispielsweise die Theorie von Thaler, welche grob besagt, dass jeder in seinem Kopf „Töpfe“ für Ausgaben anlegt. Bsp. Ein Topf ist „ins Kino gehen“. Wenn ich 10€ pro Woche für den Kinobesuch vorgesehen habe (im Topf habe), dann werde ich mir keine neue Karte kaufen, weil ich mental in meinem Topf kein Geld mehr habe. Somit wäre die Antwort Nein. Wenn die Person aber rational handelt und der Nutzen größer ist als die Kosten, dann wird sie sich eine neue Karte kaufen.

    Unabhängig von dem Ergebnis des Tests finde ich es grundsätzlich wichtig die Wirtschaftsvorgänge grob zu verstehen. Ich persönlich halte nichts davon genau zu wissen wie hoch die Inflation ist, oder wo der DAX gerade steht. Wie schon im Podcast besprochen ändern sich die Zahlen einfach zu häufig und interessieren/ betreffen einem im Alltag auch nicht. Was jedoch in meinen Augen wichtig ist um mitdiskutieren zu können sind Kenntnisse über die Mechanismen: bsp. Gründe und Folgen von Inflation kennen. Wenn man verstanden hat wie das funktioniert kann man mitdiskutieren und bei Bedarf immer noch die aktuelle Zahlen auf dem Smartphone googlen.
    Zusammenfassend, von mir ein klares Ja für Wirtschaftsunterricht in Schulen.

    Das Problem, dass dann an den Schule möglichweise auftauchen wird ist, dass es zu wenig Lehrer gibt um ein weiteres Fach anbieten zu können.

    1. Tja, zu wenig Lehrer haben wir an vielen Stellen (außer in so (mit aller Vorsicht) Laberfächern). Das sollte keine Ausrede sein. Wenn die Ressourcen und Bedingungen stimmen, findet man schon Leute für den Job. Klar, in vielen Bereichen (Naturwissenschafte, Informatik, …) kann man am freien Markt viel mehr verdienen, aber Lehrer ist ein durchaus erfüllender Job (und man hat mehr (wenn auch nicht viel mehr) Urlaub als Normalos). Nur: Wenn da Uralt-Computer stehen, wenn man kein Material für Versuche hat, wenn die Klassen zu groß sind, … dann wird’s schwierig.

      Wirtschaftsunterricht wäre sehr wichtig. Die Zahlen halte ich auch nicht für wichtig, aber anhand aktueller Nachrichten kann man das durchaus diskutieren. Aber ob wir gerade 1,4 oder 1,6% Inflation haben: Who cares. Daran kann man vielleicht mal das hektische Gezucke an der Börse erklären (wo +/- 0,1% ja manchmal für 2% Kursplus/minus sorgen), aber eben auch als das, was es ist: Hektisches Gezucke, nichts relevantes.

      Wichtiger wäre es zu erklären, wie Märkte funktionieren: Angebot und Nachfrage, Wirkung auf die Preise, was Märkte besser machen als Planwirtschaften. Wie wichtig Transparenz für das Funktionieren von Märkten ist; wann Märkte nicht funktionieren. Warum ein Jobverlust an einer Stelle mehr Jobs an anderen Stellen bedeuten kann. Warum es Steuern gibt. Wie Steuern wirken. Opportunitätskosten. Nudging. Gäbe so vieles, was man IMHO auch durchaus spannend vermitteln könnte. Das von dir gewählte Beispiel ist zB ein gutes. Und vielleicht auch ein Hinweis auf mögliche Probleme: Nämlich dass der Lehrplan dann eher so “homo oeconomicus” unterrichtet und nicht den Menschen, den die Verhaltensökonomie beschreibt. Das kann sehr schnell ideologisch werden (wahrscheinlich mehr als in vielen anderen Fächern, aber hej, in Politik bekommt man das ja auch hin …)

  2. Irgendwann kommt hoffentlich mal wieder eine Folge, wo man sich nicht über die Audioqualität beschweren muss. 🙂

    Diese Folge musste ich leider Hannahs Kapitel über Wirtschaftsbildung überspringen, weil mich das konstante Summen und Fiepen im Hintergrund extrem gestört hat. Darüber hinaus war sie offenbar auch noch in einem sehr halligen Raum, was das nicht unbedingt verbessert hat.

    1. wir sitzen halt leider nicht zusammen im hallfreien kämmerlein. 😔 zencastr hatte an dem tag ein neues release und hannahs browser war komplett überlastet.. die audiospuren waren asynchron und es steckte ne mebge arbeit drin das überhaupt so hinzubekommen.

      die alternative: wegwerfen und gar nicht senden. wäre auch doof.

      mfg
      mh

    2. Da muss ich dir recht geben. Es ist eigentlich das erste Mal, dass ich mich in der Kommentarspalte über die Audio-Qualität äußere, aber leider war es sehr unangenehm zuzuhören mit Hannah schlechter Spur
      🙁

    3. Was will man machen, wenn man endlich einen Termin gefunden hat und Zencastr am Tag vor der Aufnahme eine neuer Version ausrollt und die bei Marco und mir ganz gut aussieht, aber bei Hannah (unter Linux) zu Dauerauslastung der CPU und dementsprechendem Lüfterrauschen führt. Sehr sehr ärgerlich …

  3. „Wenn die Ressourcen und Bedingungen stimmen“, genau das ist meiner Meinung nach das Problem an vielen Schulen.
    Es ist nicht so, dass niemand Lehrer werden will, sondern eher, dass die Arbeitsbedingungen in der freien Wirtschaft meist besser sind. Was viele Leute sehen sind nur die Unterrichtsstunden die ein Lehrer hat. Dazu kommen dann aber noch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Elterngespräche, Konferenzen, Verwaltungsaufgaben, …, also das ganze „unschöne“ Zeugs am Lehrer sein. Einiges davon bekommt man nicht einmal bezahlt. (Wobei das mit dem Urlaub schon ein Plus ist 😉 )
    Zudem kommt die Ungleichbehandlung von verbeamteten und angestellten Lehrern: Warum soll man als Angestellter genau so viel arbeiten (gleiche Arbeit) wie ein Verbeamteter, wenn man unterm Strich weniger Geld bekommt und auch sonst weniger Privilegien hat.
    Also fragt sich jemand zweimal, ob er/sie Lehrer/in werden will.

    Um also Wirtschaftsunterricht an den Schule anbieten zu können müssten die Bedingungen verbessert werden. Ob in diesem Kontext Geld alleine die Lösung ist bezweifle ich, mir fällt im Moment aber auch nicht ein, wie und wo man den Hebel ansetzen müsste.

    Zum Unterrichtsinhalt, da wäre ich voll auf deiner Seite.
    Zugegeben der „homo oeconomicus“ ist jetzt nicht wirklich realitätsnah, aber die Annahme ermöglicht es eben vieles relativ einfach zu beschreiben.

  4. Interessant finde ich, dass ihr bei den Autoversicherungen einen Aspekt gar nicht betrachtet habt. Was wollen die Versicherungen erreichen und wie ist die Kausalkette dahin?

    Gut, das Offensichtliche ist so banal wie klar. Sie wollen Geld verdienen, aber wie ist der Weg dahin mittels Datenreichtum? Sie wollen den Anteil der guten Risiken unter den Kunden erhöhen, die zahlen aber keine Kosten verursachen. Aber das will natürlich jede Versicherung und daher kommen die Sachen wie Alter, Garagenauto, unfallfreie Jahre, etc., die jetzt schon in den Verträgen abgefragt werden. Wenn ich jetzt so eine Box habe, dann kann ich den guten Risiken bessere Preise anbieten als es die Konkurenz kann und sie kommen zu mir.

    Wie es dann langfristig weitergeht ist auch absehbar. Jede Versicherung wird sich im Kampf um die guten Risiken gezwungen sehen auch so ein Programm anzubieten. Wenn dann nicht mehr nur wenige Versicherungen Rosinen picken können sondern wieder alle um die guten Kunden konkurieren wirds interessant. Denn wenn ich die geringeren Erträge pro gutem Kunden nicht durch mehr von denen kompensieren kann und durch die Boxen dazu noch höhere Kosten habe stellt sich die Frage woher die Kohle nehmen? Nimmt mans von denen, die sich warum auch immer keine Box einbauen lassen wollen? Oder gibts auf der anderen Seite weniger Schäden, weil sich auch die schlechten Risiken so eine Box einbauen lassen und wegen der Überwachung dann vorsichtiger fahren?

    1. Jaja, hab ich gesagt. Daraus entsteht ein Zwang zum Mitmachen, weil du sonst überproportional für die schlechten Risiken mitzahlen musst, auch wenn du kein schlechtes Risiko bist. Ist zwar heute auch schon so, aber der Effekt wird stärker. Hatte danach auch (IIRC) noch was zu dem Social Scoring in China gesagt. Man wird schon verdächtig, wenn man nicht mit macht.

  5. Also ich wollte mal kurz anmerken, dass es sowas wie Wirtschaftsunterricht schon gibt, zumindest hatte ich ihn während meiner Schulzeit. Ich habe mein Abitur 2014 in Mecklenburg an einem normalen Gymnasium gemacht und in der 8 oder 9 Klasse hatten wir das Fach AWT(Arbeit Wirtschaft Technik, obwohl Technik darin überhaupt nicht vorkam).
    An ein paar Sachen kann ich mich noch grob erinnern. Wir hatten auf jedenfall einmal das Spar Dreieck mit Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit behandelt und verschiedene Anlagemöglichkeiten (Sparbuch, Staatsanleihen, Aktien, …) Verglichen. Inflation und Deflation und die daraus resultierenden Folgen, hatten wir auch behandelt.
    Ob das genug ist, sei mal dahingestellt aber zumindest gab es das in Mecklenburg Vorpommern. Der Unterricht war auch Tausendfach besser als der Pflicht Informatik Unterricht, wo wir uns nur mit Office beschäftigt haben und eine Website mit so ein Baukasten System zusammengebaut haben.

    1. Interessant. Das ist ja immerhin etwas. In NRW ist Wirtschaft Teil von Politik-Wirtschaft, das wiederum in den Fächerblock mit Geschichte und Erdkunde fällt. Alles zusammen 6 Stunden pro Woche, im Durchschnitt also eher zwei. In BaWü ist das (soweit ich weiss) ähnlich.

      Dass der Informatik-Unterricht oft nichts taugt, ist leider wohl ein bundesweites Phänomen …

    2. Ich kann mich für NRW nicht an einen Pieps zum Thema Wirtschaft erinnern. Ja, wir hatten das Thema, bloß was genau? Und wozu auch? Ich hatte mein BGE per Taschengeld und Kost & Logis zu Hause, die Eltern waren frisch geschieden und Geld knapp und das alles insofern sowieso ein heikles Thema, der Bezug zum eigenen Leben schien denkbar gering. Die neue Rot-Grüne Bundesregierung quälte mein frisch erwachtes politisches Grundinteresse mit der Verkündigung, dass man sich auf lebenslange Jugendarbeitslosigkeit einzustellen habe und man daher dringend die Agenda 2010 brauche, also why bother? (Dass das gerade für uns Gymnasiasten nur bedingt gelten würde, war mir nicht klar, ich ging fortan von einem unvermeidlichen Leben in Armut aus.)

      Der anwählbare Rechtskundeunterricht mit Einführung in die Grundlagen (Gesetze, Vertragsgestaltung, dazu realer Besuch als Zuschauer bei einer Verhandlung am Landgericht) war hingegen interessant und blieb hängen, weil man den bewusst anwählte und dafür einen Tag pro Woche zwei Stunden länger bleiben musste und für den Verhandlungstag eine Exkursion in die Stadt unternahm. Form und Inhalt waren also was Besonderes.

      Frage mich daher, ob es anschaulicher wäre, wenn die Lehrerin in SoWi zu Beginn eines Schuljahres eine Klassenwährung emittiert, die man dann zu variierenden Zinsen deponieren kann, oder die für Nachhilfe oder 1x Hausaufgabenfrei oder erlaubtes Abspicken o.ä. akzeptiert wird und unter den SchülerInnen zirkulieren kann. Auch als Startkapital für das „beliebte“ Planspiel Börse einzusetzen. Tafel ordentlich(!) putzen gibt fetten Bonus. Ab und zu passieren dann gewisse Events, von der Lehrerin initiiert, etwa Helikoptergeld zu Weihnachten, oder eine hochspekulative Anleihenausgabe der Schulcafeteria (Mettbrötchen-Bonds!). Man kann sich da tausend Sachen und Details ausdenken.
      Am besten natürlich auch noch Freigeldexperimente mit Demurrage der Geldscheine, die man zuvor im Kunstunterricht gestalten konnte, um anschaulich zu machen, dass man ein Geldsystem mit verschiedenen Regeln designen kann und Geld keineswegs gottgegeben ist.
      Und am Ende des Schuljahres wird dann geguckt, wer zum Bonzen und wer zum Hartzer geworden ist und was das mit allen Beteiligten gemacht hat. Kollidiert bestimmt gnadenlos mit der ASchO, aber könnte lehrreich sein.

  6. Das Problem mit der Box ist ja die Verhaltensänderung, wenn man beobachtet wird.

    Dies wird sicher positive Folgen haben, beispielsweise weniger Straftaten (von roten Ampeln bis hin zur Fahrerflucht), wohl auch angepasstes Fahren weil man halt beobachtet wird.

    Man könnte beispielsweise damit rechnen, dass die Box bei Verkehrskontrollen ausgelesen werden kann von der Polizei, die dann klare Beweise für Geschwindigkeitsübertretungen etc. haben. Wenn die Daten schon mal da sind, sehe ich kaum Hemmschwellen bei den Behörden, da irgendwann auch mal zuzugreifen.

    Und schließlich gibt es noch den sozialen Aspekt, vielleicht will man dann mit dem Auto vor dem Aldi oder vor einem Bordell erwischt werden, oder man muss es am Sonntag immer vor der Kirche parken etc. Schon klar dass die Positionsdaten nicht der Hauptbestandteil des Ganzen sind, aber das wird sicher mitgenommen (und mit ausgewertet).

    Und als letzter Punkt: so sicher können die das Ding nicht bauen, dass sie nicht gehackt werden. Und dann kommt man eventuell auf nen online-Pranger weil man in ner 30er Zone 40 gefahren ist oder nicht regelmäßig die Kirche besucht etc. etc. Sind die Daten einmal draußen, sind sie immer draußen.

    1. Im Straßenverkehr ist die Verhaltensänderung (für die Befürworter) der große Vorteil, nicht das Problem. Ich glaube, das kann man auch nicht wegdiskutieren.

      Die vielen anderen Probleme sprichst du an. Dass eine solche Box *im Fall eines Unfalls* auch für die Polizei geöffnet werden kann, nun gut, dagegen hätten die meisten wahrscheinlich auch noch nichts.

      Die Frage ist generell, was die Kisten speichern. Und wie lange. Wenn da komplette GPS-Logs mit Zeitstempel drin sind, ist das natürlich zu viel. Allerdings: Ohne zu wissen, wo jemand fährt, kann man auch nicht beurteilen, ob zu schnell gefahren wurde.

      Mir fehlt da ehrlich gesagt das Detailwissen, was die Versicherer in ihren Kisten sammeln und speichern und für wie lange. Auf der anderen Hand halte ich diese Boxen für den Crash, die einfach nur die Daten sammeln und nach 15 (oder so) Sekunden wieder überschreiben, für weitestgehend unkritisch.

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