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«Der Mensch ist klein, und daher ist klein schön.»

Dieses Mal haben wir uns für die Buchbesprechung im MikroBuch24 einen Klassiker der Ökonomie vorgenommen: Ernst F. Schumachers Small is beautiful. A Study of Economics as if People Mattered, bereits 1973 im englischen Original erschienen. Seit 1977 ist das Buch des deutschstämmigen Ökonomen auch in deutscher Sprache erhältlich, war aber sehr lange vergriffen. Seit 2013 ist die deutsche Ausgabe in der Reihe «Bibliothek der Nachhaltigkeit» des oekom-Verlags dank einer Crowdsourcing-Aktion wieder erhältlich.

Der subversive Klassiker

Wenn ich schreibe, dass es sich bei Schumacher um einen Klassiker handelt, muss ich etwas korrigieren. Es handelt sich – zumindest bislang – eher um einen Klassiker der alternativen Wirtschaftsliteratur. Viele VWL- oder BWL-Studierende werden wohl nie von Ernst F. Schumacher gehört haben, richten sie ihr Studium doch auf ein Ziel aus, das ganz im Gegensatz zu dem steht, was Schumacher für eine humane Wirtschaft und Gesellschaft fordert: unbegrenztes Wachstum. Schumacher gilt als einer der frühesten Vertreter einer Postwachstumsökonomie.

Es gibt zahlreiche Zusammenfassungen seines Buches im Netz. Die beste – wie ich finde – ich bei Zeuchs Buchtipps zu finden. Das kann ich nicht besser machen.

Ein Buch in Zitaten

Ich habe deshalb dieses Mal einen anderen Weg der Zusammenfassung für die Ankündigung versucht. Ich habe einige Zitate herausgesucht, die den Geist des Buches gut wiedergeben.

«Die Substanz des Menschen lässt sich nicht mithilfe des Bruttosozialprodukts messen.»

Ernst Friedrich Schumacher, Small ist beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß. München: oekom, 2019 (deutsche Erstauflage 1977), 32.

«Es geht darum, den rechten Pfad der Entwicklung zu finden, den Mittleren Weg zwischen materialistischer Rücksichtslosigkeit und herkömmlicher Unbeweglichkeit, kurz gesagt, die ‘richtige Lebensart’.»

Ebenda, 73

«Dazu hätte die Bildung zuallererst und vorrangig die Aufgabe, Gedanken und Werte weiterzugeben, uns zu sagen, was wir mit unserem Leben anfangen sollen.»

Ebenda, 90

«Um die Technologie in eine neue Richtung zu lenken, sodass sie dem Menschen dient, statt ihn zu zerstören, muss man in erster Linie seine Vorstellungskraft anstrengen und frei von Furcht sein.»

Ebenda, 167.

«Bei Grossunternehmen ist Privateigentum ein vorgeschobener Begriff, der es funktionslosen Eigentümern ermöglichen soll, schmarotzerhaft von der Arbeit anderer zu leben.»

Ebenda, 265.

Diskussion: Was tun?

Die Zitate klingen fast wie Plakate auf einer Fridays for Future-Demo. Schumacher hat zahlreiche Bewegungen der Nachhaltigkeit, der Entwicklungs- und Friedensarbeit oder auch Technikethik in den letzten 50 Jahren beeinflusst. Doch immer noch heisst es in Wirtschaftsnachrichten und Politik: Wir müssen wachsen. Es muss skalieren. Weshalb bleibt Schumacher ein Geheimtipp aus der Öko-Ecke?

Wer Schumacher im O-Ton hören möchte, findet auf YouTube einige Kostproben. Ich mag diese hier:

Schumacher hat eben viel mehr Humor als es das Buch zunächst vermuten lässt ;). Diskutiert mit uns!

Wir danken dem oekom Verlag für die Rezensionsexemplare.

Barbara Bohr
Barbara Bohr

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