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Immer das Geld!

«Whatever it takes», mag sich Hans Magnus Enzensberger gedacht haben, als er sich entschloss, die Geheimnisse des Geldes in einem Roman zu lüften. Denn erstens spricht man sowieso nicht gern über Geld und zweitens möchte man dem schnöden Mammon in einem Roman erst recht nicht zu viel Platz einräumen. Nun hat sich Enzensberger ein Herz gefasst und alle diese Anstandsregeln für den Roman Immer das Geld!. Ein kleiner Wirtschaftsroman über den Haufen geworfen. Das Buch ist im Jahr 2015 bei Suhrkamp erschienen. Jenni, Marco und Barbara haben es für das Format MikroBuch besprochen.

Die Handlung des Romans

Als Expertin für alle Geldangelegenheiten hat der Schriftsteller die Figur der Tante Fe geschaffen. Diese ältere Dame lebt begütert in einer Villa in Genf, reist sehr viel (denn wer Geld hat, gibt sich gerne kosmopolitisch) und besucht gelegentlich ihre Verwandten in deren Doppelhaushälfte. Während ihrer Besuche logiert sie im noblen Hotel «Vier Jahreszeiten» der Stadt. Dort empfängt sie auch ihre Nichten und Neffen, um ihnen ein paar Lektionen in Sachen Geld und Finanzen zu erteilen. Diese Lektionen der umtriebigen Tante umfassen folgende anspruchsvolle Themen:

  • Eine kurze Geschichte des Geldes
  • Wie Geld geschöpft und in Umlauf gebracht wird
  • Wie Banken, Zentralbanken und die BIS (Bank for International Settlement/Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel) funktionieren
  • Wie Wohlstand/Reichtum entstehen und was dies für die Menschen bedeutet
  • Wie Geld ausgegeben wird
  • Wie Geld gespart, angelegt und investiert werden kann
  • Was Spekulation ist
  • Was passiert, wenn man mehr ausgibt, als man hat
  • Vererben und erben
  • … und viele weitere Geldthemen

Ein trockenes Thema veranschaulichen

Ergänzt werden diese ökonomischen Erläuterungen durch zahlreiche Aphorismen über das Geld, die als Marginalien im Text erscheinen. Mein Favorit der klugen Sprüche über Geld taucht gleich zu Beginn des Romans auf. Es ist Lichtenbergs

«Im Deutschen reimt sich Geld auf Welt; es ist kaum möglich, daß es einen vernünftigeren Reim gebe.»

(zitiert nach Enzensberger, S. 9).

Um das sperrige Geldthema besser zu veranschaulichen, ergänzen zusätzlich zahlreiche Abbildungen die Ausführungen der Tante. Unter diesen stechen neben Fotos von glitzernden Gebäuden auch die Abbildungen der EZB-Bilanz oder eines deutschen Lohnzettels hervor. Für die visuelle Begleitung des Romanprojekts zeichnet übrigens Franz Greno verantwortlich. Er ist ein langjähriger Weggefährte Hans Magnus Enzensbergers, der bis 2004 für die Gestaltung der Buchreihe Die Andere Bibliothek mitverantwortlich war.

Was bleibt unterm Strich übrig?

Nicht nur wenn es um Geld geht, spielen Bilanzen eine gewichtige Rolle. So wollen auch wir uns nach der Lektüre fragen: Was bleibt unterm Strich übrig? Wie gut gelingt es Enzensberger und Greno fachlich und literarisch, uns das Geld und sein Wirken zu erklären?

Wenn Ihr den Roman kennt, diskutiert gerne mit. Oder lest jetzt noch schnell das Buch, um unsere Podcast-Aufnahme kommentieren zu können. Der Roman ist ohne Anhang schlanke 214 Seiten lang. Zum Vergleich: Emile Zolas Roman Das Geld, den wir im MikroBuch 12 besprochen haben, umfasst 512 Seiten.

Der Suhrkamp-Verlag war so freundlich, uns kostenlose Rezensionsexemplare für die Buchvorstellung zur Verfügung zu stellen. Dafür bedanken wir uns herzlich.

Barbara Bohr
Barbara Bohr

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Category MikroBuch
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