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6 Kommentare

  1. @Egghat: Ich glaube, du bist da zu phantasielos, wenn es um Verluste im Fonds der GLS geht. Die koennen ja auch einem betruegerischen Partnerinstitut aufsitzen und dann groessere Mengen Geld verlieren. Das der einzelene Kredit ausfaellt ist eher nicht das Problem.
    Daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe von Risiken:
    – Waehrungsrisiko, die Kredite lauten ja auch nicht in Euro (oder?)
    – Fristenrisiko, die Kredite haben eine Laufzeit, und wenn ich vorher an mein Geld will, muss ich jemanden finden der den Fondsanteil kauft (wenn nicht alle gleichzeitig rauswollen geht das bestimmt)
    – …

    Mir war die ganze Folge zu viel Produktempfehlung und Anlageberatung. Aber die Risiken habt ihr ganz nett dargestellt.

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    1. Erstmal danke für die Kritik.

      Zu den Punkten:

      Es gab bisher erst eine Pleite eines Mikrofinanzinstituts (2010). Die Rückzahlungsquote ist extrem hoch (97%), das Ausfallrisiko ist bisher kleiner als bei Krediten hierzulande. Das mag sich ändern, gerade wenn zu viel Geld fließen sollte und jeder einen Kredit bekommt. Da die Kredite aber sehr wenig gehebelt werden (Einige Institute hebeln gar nicht, sondern vergeben das Geld nur 1:1 weiter, Barbara nannte andere Institute, die mit 30% (!!) Eigenkapital arbeiten. Das sieht – soweit ich das beurteilen kann, alles sehr solide aus. Anders gesagt: Die MFIs (und die Fonds hierzulande) scheinen sich bewusst zu sein, dass sie am Ende unbesicherte Kredite vergeben und gehen daher nicht voll ins Risiko).

      Ok, an das Währungsrisiko habe ich nicht gedacht. Das wäre in der Tat eine Erwähnung wert gewesen (muss ich mal in den Unterlagen nachlesen, was die Fondsinitiatoren dazu sagen; vielleicht ist das ja doch abgesichert, ist allerdings eher unwahrscheinlich, die Währungen sind dann wohl doch zu exotisch).

      Das Fristenrisiko ist natürlich da, aber ebenfalls eingeschränkter als bei normalen Krediten hier. Klar, es sind illiquide Anlagen, aber die Kündigungszeiten der Anlageprodukte hierzulande, sind halt auch nicht täglich. Bei Oikocredit musst du Genosse werden, beim Mikrofinanzfonds der GLS kannst du nur zweimal im Jahr zurückgeben. Da wird also zumindest keine tägliche Verfügbarkeit des investierten Geldes „vorgegaukelt“.

      Ehrlich gesagt war mein Eindruck, dass wir fast zu kritisch sind. Die üblichen Lobeshymnen auf Mikrokredite (Allen geht es besser, vor allem alle Frauen werden frei und glücklich) haben wir doch ziemlich eingenordet …

      Den Hörer ganz ohne Hinweise auf seriöse Anbieter in diesem Markt nach Hause zu schicken, hätte ich unbefriedigend gefunden. Ich war mir der Gefahr, dass es zu produktlastig (oder zu produktfreundlich) wird, bewusst, habe mich am Ende aber dann doch dafür entschieden. Deshalb ist die Empfehlungsliste auch so kurz, das sind wirklich nur die Seriösesten der Seriösen … Was natürlich nicht heißt, dass es komplett risikolos ist …

    2. Okay, da war ich vielleicht zu kritisch. Ihr habt das schon ganz gut dargestellt. Es ist halt auch ein schwieriges Thema.

  2. Ich fand das jetzt nicht zu kritisch. Aber ohne Pointer auf mögliche Anlagemöglichkeiten wäre das die erste Frage der Hörer gewesen. Zumindest wenn es diese Folge schaffen sollte, auf Reichweite außerhalb unserer normalen Twitter/Facebook-Blase zu kommen …

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  3. Diese Sendung anzuhören hatte ich mir aufgespart, weil sie aufgrund der Konstellation etwas Besonderes zu sein versprach. Und tatsächlich, es hat sich gelohnt. Das Thema Mikrokredite hatte ich immer so nebenbei auf dem Radar. Auch, dass sie nicht so uneingeschränkt super sind, wie es Mitte der 2000er Jahre im Zusammenhang mit Grameen und Yunus etwa in der Hauszeitschrift der GLS-Bank publiziert wurde. Es war schön, das ganze ausführlicher beleuchtet und bewertet zu sehen.

    Ich nehme aus der Sendung mit, dass Mikrokredite mit niedriger Marge dabei helfen, einen Finanzmarkt überhaupt erst zu erschaffen. Und dass das dadurch breit gestreute Risiko zunächst mal eine solide wirtschaftliche Entwicklung (natürlich inklusive der üblichen Aufs und Abs und Betrügereien) zu etablieren hilft. Wenn man diesen Nutzen über ganze Volkswirtschaften hochskaliert und hochrechnet, will man ja eigentlich, dass Menschen überall niedrigschwellig Zugang zu Mitteln haben sollten, was auch im Interesse der Geldgeber ist, weil dies auch das Risiko breit streut und abpuffert, womit wir womöglich beim Thema BGE oder auch ggf. Helikoptergeld wären.

    Den Hinweis auf, relativ zum Kreditvolumen, hohe Transaktionskosten bei kleinen Krediten fand ich wertvoll. Ebenso die Ausführungen zu dem Beliebtheitswettbewerb, der entsteht, wenn ich mir als Privat-Kreditgeber nur die schönsten und liebsten Kreditnehmenden per Mausklick auswählen kann. Anekdote: Ich kenne persönlich eine Unternehmerin, die wahnsinnig fleißig und in ihrem Metier fachkundig ist und bei der mittlere Beträge gut angelegt wären, aber die sich nicht sooo gut nach außen präsentieren und verkaufen kann. Ihr Crowdfunding-Versuch fiel dementsprechend eher dröge aus und erzielte einen zweistelligen Erlös anstatt des angestrebten vierstelligen… Da bin ich dann froh, dass sie ihr Business auch über eine bürokratisch-sachorientierte Bank finanziert bekommt!

    Erhellend fand ich die Erklärung, dass Ich-AG, Mikrokredit und Crowdfunding sämtlich einer ähnlichen, neoliberalen Sicht auf die Welt entspringen. Das erklärt einiges. Es zeigt auch, wie eng umgrenzt etwa das Projekt Agenda 2010 war. Daraus leite ich ab, dass nicht alles egal und vergeblich und hoffnungslos ist, sondern dass es sich lohnen kann, sich für bestimmte politische oder wirtschaftliche Projekte einzusetzen.

    Ein wenig störte mich, dass Dieter über die gesamte Sendung einen relativ hohen Wortanteil zu haben schien, sogar ungeachtet der Moderatoren- und Gastgeber-Sonderquote, anstatt mehr von der extra dafür „eingeflogenen“ Gästin erklären und ausführen zu lassen. Ich wünsche mir, dass Barbara noch öfter eingeladen wird und zu Wort kommt, auch wenn sie vielleicht lieber (?) als stilles, tiefes Wasser lebt.

    Als Themenwunsch fiel mir ein, dass ich gerne etwas dazu hören würde, wie die Schweiz mit der vor einem Jahr erfolgten Freigabe des Wechselkurses zurecht kommt. Etwa vom Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler, der in verschiedenen Ländern sowohl Werke als auch Kunden hat und im Unterschied zu gewissen anderen Konzernen auch solide Produkte zu bieten scheint, meine ich gelesen zu haben, dass sie aufgrund des Wechselkurses Probleme haben, überhaupt Profit zu machen.

    In diesem Sinne, Danke und viele Grüße,
    Michael

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    1. Danke für den Kommentar und das Lob (für besondere Momente zurückgelegte Spezialfolge …).

      Ja, genau das sind die Mikrokredite im wesentlichen: Eine gute Möglichkeit, den für jede Wirtschaft unerlässlichen Finanzsektor aufzubauen. Dass darf man in den entwickelten Ländern niemandem sagen, da Banken da quasi die Inkarnation des Bösen sein, aber die Basisfunktionalität der Banken (Sparen, Konto (=Geldverwahrung), Kreditvergabe) muss da sein, ansonsten verläuft die wirtschaftliche Entwicklung viel langsamer. Was alles zusammenbricht, wenn der Bankensektor nicht funktioniert, sieht man gerade schön in Indien. Dort läuft noch (vor allem auf dem Land) extrem viel mit Bargeld. Nun hat die indische Regierung alle großen Banknoten für ungültig erklärt. Das sollte der Bekämpfung von Schwarzgeld dienen (und dient es auch), ist in den Regionen, in denen es keinen ausgebauten Banksektor gibt, aber eine Katastrophe. Dort läuft nämlich alles über Bargeld. Und das ist jetzt zu großen Teilen ungültig. Jetzt müssen die Bauern, Ladeninhaber, etc. teilweise einen halben Tag fahren, um ihr Geld umzutauschen. Und da (Bekämpfung von Schwarzgeld) nur ein maximale Summe Geld pro Tag umzutauschen/neu abzuheben ist, können sie keine Löhne auszahlen, Saatgut nicht kaufen, Warenbestände nicht aufstocken, … Kurz: ein Desaster! (Die Obergrenze für „neues“ Bargeld pro Tag ist übrigens auch so niedrig, dass selbst Touristen Probleme bekommen. Eine Kreditkarte für eine Familie reicht defakto nicht aus, um den Urlaub vor Ort zu finanzieren …)

      Ich hab zu viel geredet? Hmmm. Normalerweise redet Marco immer deutlich mehr als ich, wahrscheinlich habe ich meine Rolle als „Profi“ überdreht. Barbara öfter dazuzunehmen würden wir gerne auch, ist aber terminlich nicht ganz einfach; die Zeiten, zu denen Barbara kann sind quasi genau die Zeiten, zu denen Marco nicht kann. Außerdem hatten wir in den ganzen Folgen seit der Mikrokredit-Spezialfolge kein Thema mehr, dass so richtig gut zu Barbara gepasst hätte. Wir haben aber alle drei immer im Hinterkopf, nochmal was zusammen zu machen.

      Die Franken-Wechselkursgeschichte ist interessant. Da gab es ja doch eine Menge Angst vor einem Wirtschaftseinbruch in der Schweiz, der sich aber nicht so richtig materialisiert hat. Für das Ausmaß der Wechselkursschwankung war die sich Wirtschaftsentwicklung ziemlich stabil. Allerdings zeigt sich auch schön, dass Deutschland (das eine ähnlich starke, technologisch hochwerte Wirtschaft wie die Schweiz hat) ein paar Probleme weniger hat, weil es im Euro ist. Die DM würde (wenn es sie noch gäbe) genauso permanent aufwerten wie der Franken. Und dann hätten die deutschen Exporteure auch zu leiden und zu kämpfen wie die Schweizer …

      Frohe Feiertage und ein gutes 2017!

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