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22 Kommentare

  1. In eurem Gespräch klang an, dass eine CO2 Steuer nur eine Anforderung für die Übergangszeit der Energiewende sein. Die Energiewende wird aus meiner Sicht de-facto nie zu Ende sein, was die Erforderlichkeit von CO2 Optimierung und -Steuer(ung) angeht.

    Auch in Zukunft müssen neue Technologien und Produkte immer nach ihrem CO2 aufkommen bewertet werden. Die fortgesetzte Senkung und Kontrolle der CO2 Emissionen ist in Zukunft eine dauerhafte Optimierungsaufgabe für Wirtschaft und Gesellschaft.

    Was haltet Ihr von der Idee, den Ausgleich der CO2 Steuer wenigstens teilweise durch eine Senkung der Lohnsteuer oder Erhöhung der Grundfreibeträge abzudecken, ausdrücklich nicht der Einkommensteuer?

    Transferempfänger würden nicht profitieren, das wäre problematisch. Tendenziell könnten am besten bei guter Auslegung Beschäftigte mit geringen bis mittleren Einkommen neutral gestellt werden.

    Vorteil aus meiner Sicht wäre auch, dass mittel- bis langfristig die Effekte aus der Automatisierung, also KI- und Robotik Entwicklung, wenigstens teilweise mit ausgeglichen werden könnten. In dem Bereich ist ja auch eine der Fragestellungen, wie eine Erhebung der zentralen Steuereinnahmen des Staates erfolgen könnte, wenn abhängige Arbeit nur noch einen kleinen Teil des Wirtschaftskreislaufes ausmachen würde. Oder auch, wie stabil wäre eine Wirtschaft, in der vielleicht 85% der Beschäftigten im „interpersonellen“ Dienstleistungsbereich arbeiten und nur bei vielleicht 15% durch die Arbeit am Ende ein anfassbares Produkt herauskommt? Was, wenn überhaupt nur vielleicht 60% wirtschaftlich produktiv beschäftigt sind oder sein können?
    Für eine Wirtschaft, in der niemand mehr „beim Daimler“ am Band steht und, vielleicht sogar entscheidender, nur ein Bruchteil des Personals in der Buchhaltung, Rechtsabteilung oder Personalabteilung arbeitet, könnte ich mir vorstellen, dass neben einer „Robotersteuer“ auch eine starke Besteuerung des CO2 Verbrauches oder vielleicht besser der Belastung von Umweltexternalitäten (letztendlich auch NOX, Bergbau, Wasserverbrauch, etc.) eine sinnvolle Richtung ist.

    Mir ist bewusst, dass ein großer Teil der BIP nicht in Massenfertigung an Fließbändern entsteht, aber ich vermute auch im Mittelstand und in Betrieben mit bei Chargen-, Kleinserien- oder Einzelfertigung können starke Automatisierungseffekte auftreten. Vermutlich dort als erstes im „Back-Office“, in Steuerungs- und Managementbereichen.
    Wenn man eine hierfür sinnvolles Steuerkonzept jetzt schon mitdenkt, fallen später weitere Anpassungen vermutlich leichter?

    Ganz wichtig finde ich bei der Diskussion um Energiewende und Klimawandel auch immer den Hinweis auf die Opportunitätskosten. Dann wird schnell klar, dass nicht handeln definitiv auch keine wirtschaftlich sinnvolle Option ist. Ganz im Gegenteil.
    Wie ihr sagt, müssen die Steuerungsauswirkungen auch nicht dauerhaft sein. Wenn im Flugverkehr die Preise für Fernreisen für den Normalbürger für 15-20 Jahre bis zu einer technologischen Anpassung mal prohibitiv sind, ist das sicherlich immer noch besser als auch denkbare dunkle Szenarien. Kann man irgendwo wirtschaftliche Projektionen des Klimawandels finden, vielleicht in Abhängigkeit von Temperatur und Meerespiegelanstieg?
    …immerhin kann man, je nachdem wie die Deiche die im Verhältnis überproportional steigenden Fluthöhen aushalten, bei ca. 1m Anstieg dann vielleicht auch bald in Oldenburg am Strand liegen. 😀

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    1. Puh, viele Fragen zu komplexen Themen.

      a) Einkommensteuer und Lohnsteuer zu trennen ist systematisch immer falsch. Da wird dann immer gespielt und dann wird halt mehr Geld über Lohn ausgezahlt als über Einkommen. Ich glaube es wäre einfacher, eventuelle Mehreinnahmen (woher auch immer) über die Senkung der Lohnnebenkosten auszuzahlen. generell würde ich genau das Gegenteil als wichtiger empfinden: Keine weitere Spreizung der Steuerhöhe auf die unterschiedliche Einkommensarten, sondern eine Angleichung, sprich Kapitaleinkommen so besteuern wie Arbeitseinkommen.

      b) Jede Steuer, die auch Steuerungsfunktion übernehmen soll (also wie CO2-Steuer den CO2 Ausstoß senken soll) hat das Problem, dass sie keine Einnahmen mehr generiert, wenn ihr Ziel erreicht wurde. Daher ist natürlich die Idee gut, Steuern vor allem auf Dinge zu nehmen, die es auch in 50 Jahren noch gibt … Also zB Arbeit. Oder Kapital. Oder Roboter.

      c) Natürlich kann man über die These diskutieren, dass uns bald die Arbeit ausgeht und alles nur noch Roboter machen. Diese These hatten wir aber schon sehr sehr häufig. Das Fräulein vom Amt gibt es nicht mehr. Den Rechenknecht. Der Bergbau im Ruhrgebiet hat seinen Personaleinsatz etwa gezwanzigstelt bei gleichbleibender Förderung. Alles nur noch Maschinen. Und? Ist uns die Arbeit ausgegangen? Nö. Die Fräuleins fielen weg, dafür arbeiten heute ein paar Hunderttausend Menschen im Mobilfunk, Internet, Web, Online, … Die Arbeiter fielen weg, dafür kamen viele neue Sektoren hinzu: Freizeit (die Bundesliga ist zB ein Milliardenkonzern mit 1000en Angestellten), Tourismus, Software, Gesundheit. Gab es vor 50 Jahren Logopäden? Heilpraktiker? An jeder Ecke ein Reha-Institut? Pflegeheime? Kurz gesagt: Ich halte die These, dass uns die Arbeit ausgeht, für weit weniger einleuchtend als sie auf den ersten Blick wirkt. Oft wurde trotz Automatisierung von Prozessen die Zahl der Arbeitskräfte nicht reduziert, weil das Produkt der Arbeit besser, schöner, individueller wurde. Man schaue sich mal Briefe an, wie sie vor 50 Jahren geschrieben wurde. An der Schreibmaschine mit hoffentlich wenigen Tippfehlern getippt, Formulierungen aus der Hölle, weil man nicht noch schnell umschreiben konnte, grusliges Layout. Heute sieht jeder olle Brief besser als vor 50 Jahren eine professionelle Zeitung … Oder nimm dein Beispiel von individuellen Produkten in Kleinserie: Natürlich sinkt bei Automatisierung zB durch 3D-Druck der Aufwand in der Fertigung. Aber gleichzeitig sinken auch die Kosten für individualisierte Produkte, steigt die Nachfrage und weil die Produkte komplexer werden, steigt auch der Beratungsbedarf. Das wird sich nicht in allen Fällen ausgehen. Aber man kann sich sicher sein, dass wir auch in 30 oder 50 Jahren neue Wirtschaftsbereiche haben, die sich heute noch niemand vorstellen kann, so wie vor 30 Jahren das Internet oder vor 50 Jahren den Softwaresektor (Computerspiele!).

      d) Tja, zu den Opportunitätskosten: Die 180€/Tonne, die ich im Podcast genannt habe, sollen laut Umweltbundesministerium alle Kosten von CO2 abdecken. Es gibt allerdings auch niedrigere und deutlich höhere Schätzungen. Die Diskussion ist aber müßig, solange die SPD wenig Lust auf eine CO2-Steuer hat und die Union noch viel weniger. Ich würde mich schon über 40€/Tonne freuen …

  2. Bei der Schweizer CO2 Abgabe (Steuer) sind die Treibstoffe bisher NICHT betroffen, nur Brennstoffe (Heizöl, Gas usw.).
    1/3 der Einnahmen wird für das Gebäudeprogramm (Subventionen Dämmung) verwendet, 2/3 via Krankenversicherung zurückerstattet, was aber eher eine schlechte Lösung ist, da das Gesundheitssystem ein Selbstbedienungsladen der Leistungserbringer ist, und somit die Rückerstattung nicht wirklich beim Bürger ankommt. Die „Rückerstattung“ 2018 war theoretisch Fr. 76.80/Person, faktisch wohl eher Null.
    Das neue CO2 Gesetz wurde im Parlament versenkt (u.a. war eine CO2 Steuer auf Treibstoffe geplant) – im Herbst sind Wahlen.
    Wie auch immer: man kann die Schweizer CO2 Steuer nicht mit der geplanten in Deutschland vergleichen.

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    1. Danek für die Infos. Man muss beim Sprit bedenken, dass dieser über Mineralölsteuer (oder wie auch immer das in der Schweiz heißen mag) eh schon höher belastet ist als es bei einer reinen CO2-Steuer der Fall wäre. In D redet man ja über eine zusätzliche CO2-Steuer auf Sprit, was im Sinne einer gleichmäßigen CO2-Steuer über alle Energieformen und Verwendungsformen eigentlich nicht korrekt wäre.

    2. Die Mineraloelsteuer deckt doch bereits jetzt nicht alle externalen Kosten des Strassenverkehrs, wie Laerm, Feinstaub, und Strassenbaukosten. Natuerlich ist die Mineraloelsteuer hoeher als eine reine CO2 Steuer waere, aber die anderen Kosten muessen ja auch bezahlt werden.

      Bevor wie eine Laermsteuer, eine Feinstaubsteuer, eine Strassenmaut und so weiter einfuehren, dann lohnt sich doch eine einheitliche Mineraloelsteuer, oder?

    3. @Thomas:

      Das kann man natürlich auch so sehen. Wobei die Schweizer immerhin eine Autobahnmaut bezahlen und eine KFZ-Steuer wahrscheinlich auch.

      Ich wollte nur darauf hinweisen, dass Mineralöl auch ohne CO2-Steuer schon belastet wird. Und da auch nix zurückerstattet wird.

    4. In Deutschland ist beides jedenfalls nicht kostendeckend, https://www.vcd.org/themen/verkehrspolitik/kostenwahrheit-im-verkehr/. Woher soll den da die Rueckzahlung kommen?

    5. Der Diktator 7. Mai 2019 um 6:18

      Danke für den Hinweis auf den Selbstbedienungsladen. Bitte dieses Argument immer im Auge behalten.
      Z.B. werden in Polen die Medikamente zum grossen Teil nicht von der Krankenkasse bezahlt. Folge, die Medikamente sind günstiger als in Deutschland. Von der reinen Dienstleistung des Arztes wollen wir nicht mal reden.
      Eine Plombe im Zahn erneuern: PL: 50€, D: für 50€ darf ich mich vielleicht mal kurz im Warteraum setzten.

    6. @Thomas

      Wenn du alle anderen Kosten des Autoverkehrs berücksichtigst, müsste die Steuer höher sein. Ich bin auch der Meinung, dass eine CO2-Steuer zusätzlich zur KFZ-Steuer kommen muss. Ich würde aber unbedingt eine vernünftige Analyse machen, was wir gerade wie hoch belasten. Und da ist Strom heute am höchsten belastet, danach Benzin, dann Diesel, danach Erdgas und dann Heizöl (chemisch das gleiche wie Diesel). Strom liegt dabei bei etwa 180€/t, Benzin bei 65€, Diesel bei 58€, Erdgas bei 20€ und Heizöl unter 10€. Bei einer Neugestaltung würde ich als erstes diese unfassbaren Abweichungen angleichen. Also Strom wieder billiger machen, Benzin und Sprit leicht rauf und Gas und Heizöl deutlich rauf. Nicht von heute auf morgen, aber die Tendenz muss so klar sein, dass niemand mehr eine Ölheizung kauft, weil absehbar ist, dass die in 10 Jahren viel zu teuer sein wird.

    7. @Dieter:

      Klar wenn wir die Steuern neu ordnen, dann sollten wir eine langfristige Perspektive in Betracht ziehen. Wenn wir auf 0 Netto-CO2e-Emissionen kommen wollen, dann muessen die Haeuser passiv Haeuser werden oder Waerme pumpen haben (oder wir Power-to-Gas nutzen, aber das ueberzeugt mich noch nicht). Das heisst dann das die Oelheizung und das Verbrennen von Erdgas teurer werden muss.

      Eine Erdgasheizung hat aber relativ wenige andere Emissionen (abgesehen von CO2). Das wird also relativ schwierig zu begruenden, warum Erdgas jetzt teurer werden soll.

      @Der Diktator: Du ueberschaetzt die deutschen Gesundheitskosten gewaltig. Fuer 50 EUR bekommst du locker eine Konsultation von einem Hausarzt.

    8. @Thomas:

      Ich sage ja nur, Erdgas teurer. Es kann ruhig noch etwas privilegiert werden gegenüber Öl, weil es (wie du schon sagst) recht sauber verbrennt, aber auch weil wir über Biogas und evtl. Power2Gas die Möglichkeit haben, an Gas festzuhalten, das aber schrittweise weniger CO2 ausstoßen lassen. Außerdem haben wir für Gas riesige Speicher und aktuell ist Gas die einzige Energieform, die wir zu realistischen Kosten über längere Zeit speichern können. Wir werden das Zeug auf Sicht brauchen. Deshalb bloß nicht benachteiligen. Aber eine Verdopplung des CO2-Preises ist auf jeden Fall okay. Heizöl muss massiv rauf, Sprit in Richtung 80€/t, Mehreinnahmen in Senkung des Strompreises stecken (unter 100€ wird die implizite Belastung da nicht sinken, ich schätze eher, dass bei wir nicht unter 120€/t kommen). Irgendwann wird es sowieso Richtung 180€/t gehen; dann würde auch der Strompreis wieder steigen (außer der ist bis dahin fast komplett CO2-frei).

  3. Ist es eigentlich möglich, seinen CO2-Footprint durch Erwerb von CO2-Zertifikaten zu kompensieren da diese dann nicht von CO2-Emittenten verwendet werden können?
    Zudem: es wird immer von Refinanzierung oder Einkommensneutralität gesprochen. Was ist aber mit der Finanzierung von Kompensationsmaßnahmen? Wenn das CO2-bepreist wird ist es doch immer noch nicht aus der Atmosphäre. Diesen Aspekt sehe ich nicht in den Debatten.
    Btw, immer wieder hörenswert Euer Podcast!

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    1. Die Hoffnung ist ja, dass die Steuer zu vermindertem Ausstoß führt. Sie dient also (langfristig) eher der Steuerung als der Finanzierung.

    2. Naja, weg bekommst du das bisher ausgestoßene CO2 eh nicht, außer du pflanzt Bäume.

      Der Gag an der Bepreisung (egal ob über CO2-Zertifikate oder CO2-Steuer) ist, dass du viel CO2-ausstoßende Energieträger teurer machst und durch welche ersetzt, die weniger CO2 ausstoßen. Also gleiche Energiemenge, aber weniger CO2.

      Bei Zertifikaten wird die Senkung auch erreicht, weil die Anzahl der Zertifikate jedes Jahr sinkt. Sprich egal wie hoch oder wie niedrig der Preis ist, die Menge sinkt und damit auch die Menge CO2. Aus diesem Grund sind viele Ökonomen für den Zertifikatehandel, weil er in der Reinform am sinnvollsten ist. Wenn wir aber NICHT 100% der CO2-Quellen in den Handel einbeziehen und zusätzlich bestimmte Dinge speziell fördern (CO2-freien Solar- und Windstrom), kann es sein, dass die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten stärker fällt als im langfristigen Plan vorgesehen. Und dann kosten die Zertifikate jahrelang nix. Das war der Aspekt, den ich im Podcast genannt habe, und weswegen ich inzwischen eher für eine Steuer bin.

      Zu deiner Idee: Ja würde gehen. Kauf einfach die Zertifikate weg und nutze sie nicht. Diese fehlen dann im Markt. Mit ein paar Hundert Millionen Euro hätte man wahrscheinlich schon einen spürbaren Einfluss auf den Markt (sprich den Preis), der Gesamtmarkt ist nur weniger Milliarden groß. Dein Einfluss beschränkt sich aber auch nur auf ein Jahr, denn dann gibt es wieder neue Zertifikate (etwas weniger als im Vorjahr). Praktisch kannst du in dem Markt aber nicht mitmischen, denn das ist ein reines Großkundendingen.

      Btw: Danke für das Lob.

  4. Der Diktator 8. Mai 2019 um 12:18

    Ich finde den Emissionshandel gut und würde den erweitern:
    Jeder Bürger sollte eine Freimenge an Zertifikaten bekommen und damit frei handeln können.
    Man bekommt eine Emissionsnummer, die man bei jedem Einkauf von vom Emissionshandel belegten Produkten vorzeigen muss. Dann wird das Guthaben reduziert wie bei einer Telefonprepaidkarte damals als es noch die Telefonzellen gab.
    Ist die Karte leer, läd man diese am Automaten auf:
    – wirf Geld ein und kaufe xkg CO2
    – transferiere eine bestimmte Menge CO2 von einer anderen Karte

    Das ganze muss natürlich irgendwie anonym gehalten werden (wie bei den Telefonkarten), sonst haben wir eine staatliche Superüberwachung (ich höre schon wie beim Bierzelthorst der Sabber im Munde zusammenläuft…)

    Das Geld was die Bürger zusätzlich ausgeben, muss in Infrastruktur gesteckt werden (Wasser, Strom, Strasse, Schine, FTTH)

    Gleichzeitig muss die MwSt auf die Grundnahrungsmittel (alles was in der EU zum direkten Verzehr, in Mengen die einen gewissen Schwellwert übersteigen, produziert wird und nicht verarbeitet* wurde) auf 0% gesenkt werden.

    *- erlaubte Verarbeitung: z.B. Milch die zur Haltbarmachung erhitzt wurde, oder Reinigung/Waschen von Lebensmitteln etc.

    Das Ganze bitte EU weit und nicht wieder eine deutsche Sonderlocke die nur uns hier zusätzlich belastet.

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    1. Viel zu kompliziert.

      Der Charme an der CO2-Steuer ist, dass es nur ganz wenige Leute gibt, die man besteuern muss. Die, die Öl, Kohle und Gas verbrennen bzw. in den Handel bringen. Und dass dort schon alles existiert, was man für die Steuererhebung braucht. Die Einnahmen gibt man pro Kopf zurück. Entweder als direkte Auszahlung oder (von mir bevorzugt) über Senkung des Strompreises (Geld in den EEG-Topf, EEG-Umlage sinkt, sind immerhin gut 6 Cent/KWh). Das System könntest du 2020 starten. Deines? Da brauchst du 10 Jahre für die Implementierung und die Leute sollen dann bei jedem Einkauf eine implizite Menge CO2 von einer Karte abgebucht bekommen? Wer berechnet dann, wie viel CO2 in jedem Produkt steckt? Jedem Laib Brot, jeder Kartoffel, jeder Pizza? Bio? Konventionell? Viel Spaß dabei. Wir haben nicht einmal eine verlässliche Berechnung des CO2-„Rucksacks“ eines E-Auto-Akkus. Einer sagt 50t, der andere 200. Und dann wird der Akku mit Solarenergie produziert und der Rucksack halbiert sich.

      Das einfach intransparent in den Preis zu (ver)stecken, ist die einzige praktikable Möglichkeit.

      (MwST auf Null für gewisse Grundnahrungsmittel (Mehl, Milch, Obst, Gemüse, Zucker, Nudeln, Ei, Butter, …) ist ein ganz anderes Thema. Wäre ich auch dafür, aber wie gesagt: Anderes Thema. Hat auch nix mit CO2 zu tun, sondern mit einem sozialem Ausgleich in einem Steuersystem, das zu wenig progressiv ist)

  5. Drehumdiebolzeningenieur 9. Mai 2019 um 8:41

    Die Sache mit dem CO2-armen Kerosin könnte in 10 Jahren tatsächlich realisiert sein. Allerdings ist die Frage, ob dieses Kerosin günstiger sein wird als ein CO2-besteuertes fossiles Kerosin. Nur wenn man Szenarien wie die CO2 Steuer in die Bewertung mit einbezieht, ist es überhaupt attraktiv, sich solche Technologien im industriellen Maßstab anzuschauen. Airbus, BP, DLR, Dow, Hoyer Logistics und die TUHH werden dies wohl tun. Die Industrie rechnet fest damit, dass sie nicht ewig von hohen CO2 Preisen befreit sein wird. https://www.process.vogel.de/industriekonsortium-plant-power-to-liquid-anlage-im-industriellen-massstab-a-824774/

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    1. Wenn dich das Thema (ziemlich detailliert) interessiert:

      https://www.agora-energiewende.de/fileadmin2/Projekte/2017/SynKost_2050/Agora_SynCost-Studie_WEB.pdf

      „Auch langfristig ist der Import von synthetischem Methan bei allen betrachteten Importoptionen mit geringeren Kosten verbunden als die Erzeugung von synthetischem Methan auf Basis von Offshore-Windenergie in der Nord- und Ostsee.“

      Kurz: unser Ökostrom ist zu teuer, um damit wettbewerbsfähig Öko-Sprit herzustellen. Die Anlage in die Nähe des Äquators zu stellen, ist sinnvoller. Solarstrom dort zu 2-3 Cent/KWh (mit immer noch sinkender Tendenz) und vor allem sehr zuverlässig vorhanden (kaum Abweichungen von Tag zu Tag oder in den Jahreszeiten), sprich die teuren Anlagen können gut ausgelastet werden, sobald man einen Akku von etwa einer Tagesproduktion PV-Kapazität für die Nacht dazustellt.

  6. Kerosin ist (so weit wie ich es blicke) wahrscheinlich das letzte, was wir umstellen können. Es arbeiten alle dran, wie auch an Power2Sprit, Power2Gas, … Die Frage ist halt einfach, was zu vertretbaren Kosten künstlich herzustellen ist. Ich habe mal gelesen (keine Ahnung, ob es wirklich stimmt), dass Kerosin eher Abfallprodukt ist. Man zerlegt Rohöl und bekommt dann Diesel, Benzin, Kerosin, … Wieviel Prozent der Teile aus einem Barrel Öl entsteht, ist relativ fix. Und von Kerosin hat man aktuell eher zu viel, es ist also billiger als ein Liter Benzin, Diesel, etc. Wenn das stimmt, ist Kerosin wahrscheinlich das letzte, was künstlich ersetzt wird (Annahme: die Kosten der Herstellung der künstlichen Spritarten unterscheiden sich nicht wesentlich). Aktuell sind alles P2L-Herstellungswege ziemlich teuer. Pimaldaumen achtmal so teuer wie das Zeug aus Erde (vor Steuern logischerweise), also 4 Euro Liter vs. 50 Cent/Liter. Realistisch mit der aktuellen Technologie machbar sind 2 Euro/Liter (einfach durch Skalierung). Für eine weitere Senkung braucht es wohl irgendwelche Durchbrüche, die aber aktuell nur im Labor absehbar sind, sprich nicht einmal in einer Kleinanlage getestet wurden.

    Wenn ich so die Artikel über den aktuellen Stand durchlese, scheint die künstliche Herstellung von Gas nicht so weit entfernt von der Umsetzung zu sein wie P2L, sprich realistischer zu sein.

    Was wir leider wahrscheinlich nie bekommen werden: Dass P2G oder P2L billiger als Erdgas/Öl aus dem Boden werden.

    Bei beiden Technologien glaube ich, dass wir die eher zur Speicherung von Strom (über Wochen oder Monate) einsetzen werden als das Zeug direkt wieder zu verbrennen.

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  7. Super cool dass ihr dieses topaktuelle, heiße Thema kompetent behandelt habt.
    Auch die Kommentare hier sind super und machen Lust auf mehr.
    Wenn ihr vor der Sommerpause noch ein Special (Diskurs?) dazu macht, haue ich eine Einmalspende raus.
    Der Wohnungsmarkt-Diskurs war auch schon der Hammer.
    Respekt dass ihr euch so vielseitig interessiert und auskennt

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  8. Tarifkenner 13. Mai 2019 um 23:23

    Hannah macht m.E. einen grundlegenden Fehler, wenn sie es als Nachteil des Emissionshandels wertet, dass dort ständig nachjustiert werden müsse. Anders als bei dem CO2-Steuermodell muss man beim Emissionshandel nur entscheiden, wieviel CO2 die Gesellschaft emittieren soll und die entsprechend viele Zertifikate ausgeben, bzw. die bereits ausgegebenen entsprechend reduzieren. Der Markt sorgt dann dafür, dass die geforderte Gesamteinsparung an den Stellen erfolgt, wo sie am kostengünstigten möglich ist. Ein niedriger Preis gibt der Politik dann das wichtige Signal, dass es momentan nicht besonders teuer ist, eine weitere Tonne CO2 einzusparen. Alle diese Funktionen kann ein CO2-Steuersystem nicht leisten.

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    1. Ja, ich wollte das auch mehrmals ansprechen, hab’s dann aber vergessen, weil ich /teilweise/ Hannah zustimme.

      Natürlich kann man in der Theorie einfach sagen „2050 wollen wir 90% weniger CO2 ausstoßen“, also reduzieren wir den Ausstoß einfach 30 Jahre lang um 3%. Das klappt in der Theorie ganz gut, in der Praxis aber nicht, solange nicht *alle* Sektoren einbezogen werden und nicht alle Einzelmaßnahmen abgeschaltet werden. Denn (der Punkt ist im Podcast dann wieder drin) wenn du Wind- und Solar einzeln gesondert (und auch teuer) förderst, erzeugst du so CO2-freien Strom, der CO2-Ausstoß sinkt, der CO2-Zertifikatspreis sinkt, weil viele Zertifikate übrig haben. Und dann hast du 5 Jahre, in denen Zertifikate quasi nix kosten und der ganze Emissionshandel null Wirkung entfaltet.

      Der zweite Punkt gegen den Handel: Eine Steuer, die 2012 mit 20€/t eingeführt und jedes Jahr um 5% erhöht worden wäre, wäre VIEL besser planbar. Unternehmen würden heute nicht mehr über die Abschaltung von Braunkohlekraftwerken jammern, weil diese sich bei 35 oder 40€/t nicht mehr rechnen würden. Und damit wäre klar gewesen, dass die Braunkohlekraftwerke 2030 oder 2035 „von alleine“ vom Netz genommen werden.

      Beide Systeme (Steuer und Handel) haben bestimmte Vor- und Nachteile. Es gibt ja auch Mischmodelle (Zertifikate mit Mindestpreis), die gewisse Nachteile des Emissionshandels ausgleichen könnten.

      Und ja: Man könnte auch argumentieren, dass man den Emissionshandel ebenfalls „nachregulieren“ könnte. Wenn der Preis also bei absurden 5€/t liegt, reduziert man einfach die Menge der Zertifikate für’s nächste Jahr stärker. Man gäbe also nicht fix ein Minus von 3.5% vor, sondern eine Spanne von 2,5-4,5%. Grobe Idee: Sinkt der Preis, reduziert man um 4,5%, ist der Preis stabil um 3,5%, steigt der Preis senkt man die Menge nur um 2,5%.

      Wir nehmen das Thema auf jeden Fall nochmal rein, Marco hat auch noch was zu meckern 😉 Bin gespannt …

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