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11 Kommentare

  1. Hi,

    ich feiere euren Podcast! Habe mich immer geärgert, dass es relativ viele gute Politik Podcasts (z.B. Lage der Nation), zum Thema Recht und Politik (z.B. FAZ Einspruch) oder zu Digitalem und Politik (z.B. Logbuch Netzpolitik) gibt, aber keinen zu Wirtschaft und Politik. Aber dann habe ich euch über das Ökonomische Quartett, weil ein Prof. der Gast war es twitterte, gefunden.
    Allerdings finde ich, dass eure Folgen noch nicht so gut sind wie sein könnten, und nach 2 Monaten zuhören, glaube ich zu wissen warum.
    Die anderen oben erwähnten Podcasts zeichnen sich durch das Konzept aus: wir nennen zu unserem Thema die wichtigsten Geschehnisse der Woche, ordnen diese in den größeren Kontext ein, erläutern Hintergründe für ambitionierte Nichtexperten und bewerten das Ganze schließlich.
    (Insbesondere FAZ Einspruch macht das meiner Meinung nach ganz fantastisch.)
    Nun habe ich im Laufe der Woche das eine oder andere Mal von Target 2 Anhörungen im Bundestag gehört, aber nie ganz verstanden worum es geht. Ich hätte mich also total gefreut, wenn es hier einmal kurz verständlich zusammengefasst worden wäre.
    Also: ihr habt die (Wirtschafts-)Woche aus meiner Sicht nicht vollständig behandelt, bzw. es für einen Nichtexperten – Neuhörer nicht besonders leicht gemacht, am Ende der Folge beim Biertrinken mit VWL Kommilitonen zu verstehen worüber diese Reden.
    Dagegen sehr gut das Segment zu inversen Zinskurve. Da habe ich das Gefühl, dass ich jetzt weiß, was es ist, warum es ungewöhnlich ist, warum es ein Warnsignal ist, und warum man es vielleicht nicht überbewerten sollte! Einfach toll!
    Also macht weiter, ihr füllt eine wichtige Marktlücke in der öffentlichen Debatte!
    VG

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    1. danke für die kritik und die hinweise. ich werde dazu mal einen eigenen blogpost erstellen.

      zu target2-salden vorab: es gibt eine sehr ausführliche folge zu dem thema, die aber nur 30 minuten lang ist. bereich: mikrouniversity. ich hab schlichtweg vergessen in der sendung darauf hinzuweisen.
      https://mikrooekonomen.de/podcast/episode/mikrouni001-die-target-salden/

      mfg
      mh

  2. Zum Thema Multiplikator:

    Hi, soweit ich das ganze verstanden habe ist der maßgebliche Faktor die Umlaufgeschwindigkeit des extra ausgegebenen Geldes. Wenn beispielsweise ein Unternehmen fast alles selbst produziert (hat) wäre der Impact: Geschäftsausgaben (wirken im BIP), Löhne (wirken im BIP) und Gewinn. Wenn das gleiche Unternehmen Zulieferer und Dienstleister nutzt werden die Ausgaben dort auch nochmal gerechnet.
    Wichtiger Punkt scheint also der Aufbau der Wirtschaft zu sein, bzw. wo investiert wird. Dieser Aufbau verändert sich im gleichen Land zeitlich und ist zwischen Staaten auch ganz unterschiedlich ausgeprägt. Ich frage mich immer wie hier unterschiedliche Länder oder Zeiten miteinander verglichen werden sollen.
    Im Gegensatz dazu ist es beim Thema Sozialausgaben/Steuersenkungen glaube ich schon erforscht, dass höhere Einkommen bei ökonomisch schwächeren Haushalten eine gesamtwirtschaftlich stärkere Wirkung als die gleiche Einkommenserhöhung bei bessergestellten Haushalten haben. Mir fällt leider der Artikel dazu nicht mehr ein.

    Die viel interessantere Frage als die nach dem Gesamtmultiplikator wäre doch die nach einem Grenzmultiplikator (Begrifflich dachte ich hier an den Grenzsteuersatz :-)). Wieviel macht der EUR/USD der jetzt extra ausgegeben bzw. eingespart werden soll aus.

    Viele Grüße

    noch kurz OT
    IMHO wichtigste Nachricht der E3 war bisher der Veröffentlichungstermin von Cyberpunk 2077: 16.04.2020 … wann ist wohl der beste Zeitpunkt den PC aufzurüsten?

    Antworten

    1. zur E3: ich musste meinen ende letzen jahre zwangsaufrüsten.. von daher bin ich da ganz entspannt. cyberpunk 2077 war ja eher eine verschiebung, oder? hatte das eher für dieses jahr auf dem schirm.

      thema ökonomisch schwächere haushalte: ja das ist recht gut erforscht und auch logisch verständlich. wer am minimum rumkrebst, spart an ersatz für schwächelnde geräte oder such kleidung so lage er kann. wenn mehr geld zur verfügung steht, fließt das sofort in diese anschaffungen.

      bei armut bis hin zum nahrungsmangel, was ja in den usa nicht so selten ist, fließt das geld dann analog sofort in nahrung.

      mfg
      mh

    2. … wann ist wohl der beste Zeitpunkt den PC aufzurüsten?

      Da gibts eigentlich nur drei sinnvolle Herangehensweisen:
      1. Wenn die Hardware, die Du haben willst auf den Preis gesunken ist, den Du maximal bezahlen willst.
      2. Wenn Deine alte Hardware kaputt ist.
      3. Wenn ein Spiel/Programm nicht mit den gewünschten Einstellungen läuft.

    3. Grenzmultiplikator ist ein schönes Wort. Aber IMHO (bin in der Begrifflichkeiten nicht 100% drin) diskutiert man in diesem Zusammenhang immer genau diese Frage: Was bewegt ein Euro, der *zusätzlich* in Militär, Infrastrukur, Bildung gesteckt wird.

      Dass es entscheidend ist, ob ein Unternehmen Zulieferer einbindet oder nicht, stimmt nicht (hab dich vielleicht aber auch nicht richtig verstanden). Das ist doch genau das Konzept beim BIP. Dass man die eingekauften Vorleistungen vom Endprodukt „abzieht“, also nicht die Schrauben, das Tischbein, die Tischplatte UND den fertigen Tisch einfach zusammenrechnet, sondern nur den fertigen Tisch zählt. (Läuft in der Praxis anders, aber am Ende wird ein Produkt aus Teilen nicht mehrfach gezählt, sondern jedes Teil genau einmal). Daher ist es egal, ob eine Firma alles selber macht oder ob vieles ausgelagert wird.

      Das wichtige an Nakamuras Arbeit: Man versteht das ganze durch das Auseinanderdröseln auf Bundesstaaten jetzt etwas besser und kann den Fiskalmultiplikator besser verstehen und ein/abschätzen. Auch was die zeitliche Wirkung betrifft, sind ja noch viele Fragen offen. Wenn man vor einem Wirtschaftsabschwung steht und der Staat möchte mit einem Konjunkturprogramm dagegen arbeiten, braucht man ja nicht nur Wirtschaftsbereiche, in denen der Fiskalmultiplikator positiv ist, sondern auch welche, in denen die Ausgaben schnell ankommen und für Arbeit sorgen. Wenn man erst planen muss oder europaweite Ausschreibungen vornehmen muss, ist das für ein Konjunkturprogramm nur wenig hilfreich. Auch hier scheint mir, als müsse die Ökonomie noch viel Forschung betreiben.

    4. Hallo zusammen,

      Ich kann irritierenderweise nicht auf Ulrichs Antwort antworten, beziehe mich aber auch darauf.

      Kurz gesagt: es gibt mehrere Multiplikatoren und die gehen hier in der Diskussion durcheinander. Ulrich sprach im Podcast vom Staatsausgaben-Multiplikator. Das mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes betrifft den Geldmengenmultiplikator, den es – funfact am Rande – in der Realität so gar nicht gibt, wie man heute weiß. Tatsächlich wird der Staatsausgabenmultiplikator relativ selten durch den Einkommenseffekt bei den niedrigen Einkommen allein zu erklären sein – der Staat wird im Idealfall nicht nur in Konsum Geld ausgeben. Ich sollte dazu mal was bloggen, kann aber nicht versprechen, dass ich das zeitnah schaffe…

      Lieben Gruß
      Hannah

  3. Feedback zur Zinsstruktur (ua)

    ich höre Euch noch nicht lange, aber Euer Podcast gefällt mir echt gut. Besonders gut fand ich bisher die Ökonomischen Quartette und die Buchbesprechungen.

    In dieser Folge habt ihr mich allerdings etwas enttäuscht, als es um die Zinsstrukturkurve ging. Besonders die These von Ulrich, Anlieger würden bei einer horizontalen oder inversen Zinsstrukturkurve ihr Geld vermehrt langfristig anlegen und damit die inverse Struktur herbeiführen oder verstärken, ist nicht mit rationalem Verhalten erklärbar: Es macht keinen Sinn, Geld langfristig anzulegen, wenn ich für eine kurzfristige Anlage den selben Zinssatz bekommen, wie für eine langfristige Anlage, weil ich mir damit Optionen offenhalten kann und nichts verliere.

    Da es meines Wissens unter Ökonomen einen weitgehenden Konsens gibt, dass die Notenbanken zwar den kurzfristigen Zins, nicht aber den langfristigen (maßgeblich) beeinflussen können, ist eine inverse Zinsstrukturkurve direkte Folge der Notenbankpolitik. Die Zinsen am kurzen Ende sind zu hoch.

    Nun ist sparen in Geld oder liquiden Mitteln – gerade bei flacher oder inverser Zinsstruktur – individuell rational, kollektiv kann es aber nicht funktionieren. Damit Geld langfristig angelegt und damit investiert wird, braucht es einen Anreiz: Eine merkliche Differenz zwischen kurzer und langer Frist. Auch Fristentransformation scheitert bei inverser Zinsstruktur: Die Banken müssen für kurzfristige Einlagen einen höheren Preis zahlen, als sie bei der Kreditvergabe erwirtschaften, also kommt die Kreditvergabe zum Erliegen. Eine inverse Zinsstruktur ist damit nach meinem Verständnis eher teil der Ursachen für eine Rezession, als ein Indikator für eine anstehende Rezession.

    Soweit ich weiß, hat die Differenz zwischen kurzer und langer Frist in der Ökonomik bisher kaum eine Rolle spielt. Wenn ich das richtig verstehe, hat es mit der Neutralität des Geldes zu tun. Und um wieder zur Folge zurückzukommen: Eines der aktuelleren Papiere von Emi Nakamura untersucht die Neutralität des Geldes und kommt zu dem Ergebnis, dass es wohl eher nicht neutral ist.

    Also: Macht doch mal ein Quartett zur Geld und Geldpolitik. Das fände ich echt interessant.

    Aprops John Bates Clark (Medal): Ich habe Euch bisher so wahrgenommen, dass Euch was an sozialer Gerechtigkeit liegt. Beschäftigt Euch doch mal mit ökonomischen Renten. Das ist – in Bezug auf die Renten aus natürlichen Ressourcen und Lagerenten bei Grundstücken in Innenstadtlage – ein echt relevantes Thema und kam leider schon im Ökonomischen Quartett über Mieten kaum vor. Ich kann folgenden Artikel dazu nur wärmstens empfehlen: http://evonomics.com/josh-ryan-collins-land-economic-theory/

    Die Grundsteuer muss dieses Jahr noch reformiert werden.

    Beste Grüße

    David

    Antworten

  4. Maike Thordsen 14. Juni 2019 um 19:15

    Mehl wird beim Ernten gedroschen, d.h. das Weizenkorn wird aus der Ähre heraus geschlagen (deshalb heißt die moderne Maschine „Mähdrescher“: das Getreide wird abgeschnitten, die Körner werden aus der Ähre gedroschen und hinten kommen Stroh und leere Ähren raus, das Korn kommt in einem Tank, der dann geleert wird und zur Mühle gefahren wird).
    Gedroschenes Getreide enthält aber neben den Körnern auch sogenannten Besatz:
    Samen von Gräsern, von Raps oder anderen Pflanzen, außerdem Staub und Spelzen, d.h. Reste von Ähren.
    In Europa wird deshalb Getreide vor dem Mahlen nochmals gereinigt. Lässt man diese Verunreinigungen im Getreide und mahlt diese mit, dann hat man gestrecktes Getreide.
    Theoretisch lässt sich natürlich künstlich Stroh, Gras oder ähnliches zusätzlich mitmahlen, um das Getreide noch weiter zu strecken.

    Antworten

    1. Ah, okay. Das erklärt es natürlich. Man mahlt einfach alles mit, was man sonst vorher aussortiert.

  5. Danke für die Folge und insbesondere das Abhandeln von Turkmenistan.
    Das ist bisher komplett an mir vorbeigegangen.

    Daher habe ich noch etwas recherchiert.
    Anbei eine Ergänzung. Leider nur mit automatischer Übersetzung der Untertitel für die, die der russischen Sprache nicht mächtig sind. Interviewt wird ein Turkmenischer Journalist. Batyr Muhammedow
    Im Kern versteht man die Wesentlichen Aspekte durch die Untertitel falls jemand sich das geben will.
    https://www.youtube.com/watch?v=WjUq9sctFdg

    Anbei ein Paar Zitate/Fakten daraus:

    – Arbeitslosigkeit von 60% wird ebenfalls tangiert
    – Reisen außerhalb des Landes wird ebenfalls bestätigt und diskutiert
    – Frauen sind eingeschränkt
    – Verantwortung wird bei der Regierung gesehen
    – Auf die Fragen warum das Volk sich nicht auflehnt, werden die Geschehnisse vom 2. Oktober 1992 in Turkmenistan erwähnt (dazu fand ich leider keine Bestätigung, jedoch scheint mir das glaubhaft wenn man sich die Seite 8 von Amnesty bei diesem Bericht anschaut https://www.amnesty.org/download/Documents/172000/eur610031996en.pdf)
    – Soldaten erhalten keine Waffen (vg. mit stalinistischen Ängsten)
    – Propaganda existiert nicht bzw. es glaubt keiner an irgendwas
    – Alle versuchen ins Internet über SAT Gateways zu kommen (einige Kommentare aus dem YT Video oben bestätigen das) siehe dazu Totale Kontrolle über Internet-Zugang in Turkmenistan 2005

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