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6 Kommentare

  1. Ich mag Marcos Argument, dass die DDR alleine nicht hätte überleben können, da die Arbeitnehmer einfach in den Westen gegangen wären, sehr. Letztlich ist das ein riesiger Unterschied zu Polen oder Tschechien.

    Das Argument kann man auch auf die Währungsumstellung anwenden. Ein schlechterer Kurs und damit niedrigere Löhne hätten nur zu mehr und schnellerer Abwanderung geführt.

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  2. S. Ekundärquelle 17. Juni 2020 um 0:11

    Ich glaube ihr seid etwas zu unkritisch mit Pötzls Buch umgegangen. Mein Eindruck ist, das er sehr bewusst ein provokant-positives Bild der Treuhand gezeichnet hat. Statistisch lässt sich dieses Bild aber nicht bestätigen.

    Laut der Webseite http://www.treuhand-mythos.de (MDR, Grimmepreis 2020 nominiert) gingen nur 5% der von der Treuhand verwalteten Firmen an Ostdeutsche.

    Die Behauptung Barbaras (die sich offenbar auf Pötzl beruft) einen Ausverkauf der DDR Firmen an „den Westen“ hätte es nicht gegeben, ist entweder falsch oder Pötzl und der MDR stützen sich auf unterschiedliches Zahlenmaterial.

    Bereits an diesem Punkt sieht man, das ein Abgleich seiner Aussagen mit weiteren Quellen sinnvoll gewesen wäre. Die Veröffentlichungen von z.B. Dirk Laabs oder Ingo-Sascha Kowalzcuk über die Treuhand zeichnen glaube ich ein etwas differenzierteres Bild als Pötzl.

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  3. Passenderweise war die Treuhand diese Woche das Thema bei Eine Stunde History: https://www.deutschlandfunknova.de/podcasts/download/eine-stunde-history

    Pötz wurde dort interviewt. Sein Punkt ist, dass sich der kleine prozentuelle Anteil auf den Wert (oder den Kaufpreis, habs schon wieder vergessen) der Betriebe bezieht und nicht auf die Zahl der Betriebe. Er nennt dort genaue Zahlen, die ich mir leider nicht gemerkt habe. Bei kleineren Betrieben oder Hotels, Gaststätten und Einzelhandel sind laut ihm große Anteile an DDR-Bürger gegangen während das bei den großen Betrieben schon allein wegen des Kapitalbedarfs nicht so war.

    Du hast die von Dir verlinkte Seite offenbar nicht genau gelesen. Da steht Zitat

    Am Ende werden rund 85 Prozent der großen Betriebe an westdeutsche Unternehmen, 10 Prozent an ausländische Investoren und nur 5 Prozent an Ostdeutsche verkauft.

    Die von Dir genannten beziehen sich nur auf die großen Betriebe, nicht auf alle.

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    1. S. Ekundärquelle 18. Juni 2020 um 18:10

      Danke für den Hinweis. Das Wort „große“ habe ich auf der MDR Seite tatsächlich überlesen. Ob damit die Gesamtanzahl der Treuhandfirmen gemeint ist oder eine Unterkategorie, geht aus dem Text leider nicht hervor.

      Hinweis könnte allerdings eine ZDF Seite zu dem Thema sein, wo ähnliche Zahlen benutzt werden und etwas präziser formuliert wird:

      „Die Liste ostdeutscher Unternehmen war lang – rund 8500 Großbetriebe hatte die Treuhand zu prüfen. Aufgesplittet in einzelne Firmen waren es sogar 13.000. Gut die Hälfte davon, 53 Prozent, wurden privatisiert, also verkauft. Gut ein Drittel wurde stillgelegt. Der Rest wurde von Kommunen übernommen oder an frühere Besitzer zurückerstattet.
      80 Prozent der Betriebe, die verkauft wurden, gingen an westdeutsche Investoren, weitere 15 Prozent an ausländische Unternehmer. Nur fünf Prozent gelangten in ostdeutsche Hand, denn nur die wenigsten verfügten über genug Kapital, um eine Firma zu kaufen.“

      https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-ausverkauf-ost-2-100.html

      Pötzl dagegen erklärt in dem D-Funk Beitrag, das sich die 5% auf die Kaufsumme der Unternehmen beziehen würden. Weiterhin listet er auf:

      8500 Betriebe bei der Treuhand (bis 1994 auf 12000 Firmen aufgesplittet)
      6500 davon wurden privatisiert
      3000 wurden durch Management-Buyout privatisiert (90% davon waren Ostdeutsche)
      1600 enteignete Betriebe gingen an Alteigentümer (die zählt Pötzl als Ostdeutsche)
      310 gingen an kommunale ostdeutsche Träger

      Rund 40% (4610 von 12000) der Firmen gingen also an Ostdeutsche, so seine Rechnung.

      Wer die Statistik nun richtig dargestellt hat, kann ich nicht einschätzen. Aber auch Pötzl bestätigt letztlich, das die Ostdeutschen klar den Kürzeren gezogen haben, wenn bei ihnen nur 5% des Gesamtwertes hängen geblieben sind.

    2. Aber kann bzw. sollte man das der Treuhand vorwerfen? Im Deutschlandfunk Beitrag wird ja auch erwähnt, dass die Ostdeutschen 1990 kaum Kapital hatten. Und ohne Eigenkapital geben die Banken keine Kredite, so dass Ostdeutsche nicht die Mittel hatten größere Betriebe bei der Privatisierung zu kaufen und es nur für die kleineren reichte.

      Vorwerfen muss mans der Politik, von der die Vorgaben für die Privatisierung an die Treuhand kamen, weil sie über die Privatisierungserlöse die Einheit finanzieren wollte.

      Erinnert nebenbei bemerkt an die Deutsche Bahn. Die bekommt ja auch immer den ganzen Ärger ab wo eigentlich die Politik der letzten 30 Jahre Schuld an den ganzen Problemen ist, weil sie die Rahmenbedingungen gesetzt hat.

      Um wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen. Sowohl die 5% als auch die 40% sollten nicht alleine genannt werden, weil sie das Gesamtbild nicht richtig darstellen.

  4. S. Ekundärquelle 20. Juni 2020 um 15:23

    Pötzls Anspruch ist das negative Narrativ über die Treuhand zu widerlegen. Das suggeriert zumindest der Buch-Untertitel „Legenden, Fakten, Emotionen“. Mit seinen Aussagen bestätigt er jedoch genau die vermeintliche Legende vom Ausverkauf der DDR.

    Die Vorwürfe an die Treuhand sind gleichzeitig auch Vorwürfe an die Politiker, die diese Behörde so haben agieren lassen. Das würde ich nicht trennen.

    Die ostdeutschen Vermögen wurden bei der Währungsunion halbiert. Im schlimmsten Fall kam evl. noch die Rückübertragung einer Privatimmobilie dazu. Ergo: wenig Eigenkapital oder Sicherheiten für einen Kredit. Welche Fördermöglichkeiten es damals für ostdeutsche Gründer*innen oder Unternehmen gab, kann ich nicht einschätzen. Für die großen Firmen hätten evl. die Bundesländer, ähnlich wie bei VW, als Miteigentümer agieren können. Wurde das versucht oder wäre das sinnvoll gewesen? Evl. können das die Mikroökonomen hier erkären.

    Dazu kamen die Abschreibungsmöglichkeiten bei Immobilieninvestitionen, die dazu geführt haben, das auch in diesem Bereich sehr viel in westdeutschen Besitz übergegangen ist. Jana Hensel schreibt in „Wer wir sind“, das in Leipzig 90% aller Immos Westdeutschen gehören (leider keine Quelle dazu im Buch angegeben).

    Der gewaltige Transfer von ostdeutschem Volkseigentum in westdeutsches Privateigentum lässt sich m.M.n. nicht leugnen. Die 5% zeigen die Tendenz sehr deutlich. Und diese Richtung wurde bereits mit dem Einigungsvertrag vorgegeben. Dafür hat Lothar de Maiziere seinen westdeutschen Cousin Thomas als Berater hinzugezogen, der auch damals schon in Lohn und Brot der Bundesregierung stand. What could possibly go wrong?

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