Wir lesen und diskutieren im MikroBuch-Podcast Die Welt neu denken. Eine Einladung, das neue Buch der Nachhaltigkeitspolitikerin Maja Göpel. Im Buch geht es darum, eine nachhaltige Lebensweise zu skizzieren, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschen in Einklang bringt. 

Verbale Schlammschlachten um Flugmeilen

Zwei Tage vor der Fernsehdebatte der beiden US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten gab es auf dem deutschsprachigen EconTwitter bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was man eine  polemische Polit-Debatte nennen mag. Es ging in dieser Debatte um die Positionen Maja Göpels.

Wie seit mehreren Wochen bekannt, wird Maja Göpel am 01.11.2020 die Forschungsleitung des neuen Hamburger Think Tanks The New Institute übernehmen. Das Institut, das sich zum Ziel gesetzt hat, gesellschaftliche Transformationsprozesse zu erforschen und zu begleiten, residiert in restaurierten Alstervillen und geht mit dem Anspruch an den Start „von Hamburg aus in die Welt“ zu denken. Das Institut kooperiert eng mit Forschungsinstituten in Santa Barbara, Cambridge, Venedig und Berlin. Diese üppige Ausstattung hat den Ökonomen Jan Schnellenbach auf Twitter zu einer hämischen Bemerkung hingerissen.

Darauf unterstützten Kollegen und Kolleginnen die Ökonomin, die sich auf Twitter @beyondideology nennt, und versuchten, Schnellenbachs Bewertung differenzierter zu betrachten. Besonders ausführlich und um Sachlichkeit bemüht, äusserte sich Sebastian Dullien:

In der Debatte ging es vermeintlich sachlich um die externen Effekte individuellen Verhaltens. Auf der Beziehungsebene aber ging es auch darum, eine derzeit erfolgreiche und populäre Ökonomin mit dem Vorwurf „Sie predigt Wasser, aber trinkt selber Wein“ persönlich anzugreifen. Es ging schnell nicht mehr um True-Cost-Accounting im fachlichen Sinne, sondern auch darum, was es persönlich kosten kann, wenn man die eigene Zunft dazu auffordert, die gewohnten Denkmuster der Ökonomie zu hinterfragen. Für Stephan Ewald lag der Fall jedenfalls klar:

Das Buch: Vom Debattieren ins Handeln kommen

Diese Polemik haben wir mit Interesse verfolgt. In der Zwischenzeit haben wir in Ruhe Maja Göpels Buch weitergelesen, um uns ein eigenes Bild zu machen. Das Buch, Anfang 2020 erschienen, hat stark zu ihrem Bekanntheitsgrad beigetragen. Einer grösseren Öffentlichkeit ist sie bereits im Vorjahr dadurch bekannt geworden, dass sie die Fridays for Future-Bewegung mit der Kampagne Scientists for Future unterstützt.

Bei der Lektüre haben sich vor allem Vergleiche zu drei Büchern aufgedrängt. Die haben wir alle schon im MikroBuch besprechen. Alle drei handeln wie Göpels Buch davon, die Welt zukunftsfähig zu machen. Das ist zum einen Die grosse Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels von Uwe Schneidewind und ehemaligen Kollegen des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Maja Göpel hat 2013-2017 das Berliner Büro des Instituts geleitet. Zum anderen ist es Kate Raworths Donut-Ökonomie, die einen ähnlichen Weg in ein ökologischeres und sozialeres Wirtschaftsmodell aufzeigen möchte. Ebenso wie Raworth beruft sich Göpel auf die Forschungen zu den planetaren Grenzen als Grundlage für nachhaltiges Wirtschaften. Die dritte im Bunde ist Mariana Mazuccato. Wie die Managementforscherin sieht Göpel den Staat nicht als bürokratischen Hemmschuh, sondern als Innovationsmotor.

Was taugt also im Vergleich Göpels Vision von einer postfossilen und gerechteren Gesellschaft? Predigt sie Wasser oder schenkt sie uns vielmehr reinen Wein ein? Demnächst hier im Podcast – mit Marco, Barbara und Anna.

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich beim Ullstein-Verlag bedanken. Er hat uns Rezensionsexemplare überlassen.

*Das Zitat stammt aus Göpels Buch (S. 58. Es handelt sich um eine Äusserung eines Professors auf ihre Frage, ob denn die Entscheidung für einen Arbeitsplatzwechsel nicht nur von materiellen Aufwänden, sondern auch von emotionalen abhänge).

Posted by Barbara Bohr

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