In Oliver Bulloughs aktuellem Buch geht es um das Ausmaß der globalen Korruption. Sein Reportagenband, in englischer Sprache bereits 2018 unter dem Titel «Moneyland: Why Thieves And Crooks Now Rule The World And How To Take It Back» ist seit März 2020 unter dem Titel «Land des Geldes: Warum Diebe und Betrüger die Welt beherrschen» auch in deutscher Sprache erhältlich. Marco hat den Titel für unsere nächste Buchbesprechung vorgeschlagen. Anna und Barbara haben gerne zugestimmt. Wir wollten schon immer gerne wissen, wo sich das Land des Geldes befindet.

Tatorte

Diese Frage ist jedoch nicht leicht zu beantworten. Bullough führt uns zwar in seinem Buch an viele Orte; aber «Moneyland» selber kann nicht kartiert werden: Die Ukraine ist dabei, genauso wie Russland, Angola, Tunesien, Nigeria oder Äquatorialguinea. Selbstverständlich funktioniert diese Reise nicht ohne einen Abstecher auf die Philippinen oder Südamerika. Auch eine hübsche Karibikinsel wie Nevis ist dabei, St. Lucia ebenso. Es tauchen allerdings immer wieder auch ganz vertraute Namen wie London, New York und selbstverständlich Zürich auf. Was verbindet diese Orte miteinander? Die Geschichte ist kompliziert, der Zweck dennoch schnell auf den Punkt gebracht: Die Finanzzentren machen es durch allerlei Tricks möglich, dass Gelder versteckt und gleichzeitig vermehrt und genutzt werden können. Wie ist das möglich? Bullough bringt es auf den Punkt:

Moneyland ist das natürliche Produkt einer Welt, in der Geld frei fließt und Gesetze am Schlagbaum enden, und in der man von der Ausnutzung der daraus resultierenden Verwerfungen gut leben kann.

Oliver Bullough, «Land des Geldes: Warum Diebe und Betrüger die Welt beherrschen», München: Verlag Antje Kunstmann, S. 35.

Täter und Opfer

Wir lernen nicht nur exotische und schillernde Orte von ihrer dunklen Seite kennen, sondern begegnen in Bulloughs schillernden Geschichten auch den Menschen, die diese ungeahnte neue Form der Korruption erst möglich machen: Oligarchen, neue Autokraten und altbekannte Diktatoren (Frauen, wie Imelda Marcos oder Isabel dos Santos sind trotz männlicher Form ausdrücklich mitgemeint), Drogenbosse, korrupte Leute im Gesundheitswesen und andere reiche Menschen sowie pfiffige Anwälte, Banker und Buchhalter. Es sind gar nicht so viele, aber sie werden immer reicher und damit automatisch mächtiger. Die Digitalisierung beschleunigt diesen Prozess. Ab und an begegnen wir auch denjenigen, die durch «Moneyland» unter die Räder kommen: geschasste Ehefrauen, krebskranke Kinder und ihre Eltern sowie vergiftete Ex-Geheimdienstler, um nur einige wenige zu nennen.

Mehr Kontrolle!?

Wie kann nun «die Weltgemeinschaft verhindern (…), dass Aberbilliarden Dollar nach «Moneyland» fließen und sich dort jeder Kontrolle entziehen?». Wie kann man also die Korruption effektiver bekämpfen? Das ist Bulloughs zentrale Frage (S. 313).
Wir müssen gar nicht bis nach Trumps Amerika schauen, das sich immer mehr den internationalen Institutionen verweigert. Schon die EU selber ist – gerade gegenüber den Ländern im Osten – untereinander so zerstritten, dass es zweifelhaft scheint, eine internationale Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen, die «Moneyland» wirkungsvoll entmachten könnte. Doch Bullough meint, es sei nie mehr einfacher als heute, genau dies zu tun.

Doch wie? Diskutiert mit uns – vor und nach dem Podcast.

Wir bedanken uns beim Kunstmann Verlag für die Rezensionsexemplare.

Oliver Bullough – Land des Geldes (Buch7)

Posted by Barbara Bohr

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.