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4 Kommentare

  1. Guten Tag

    Zuerst einmal vielen Dank für die tolle Folge.
    Höre euren Podcast sehr gerne. Auch wenn ich die Lage der Nation sehr gerne höre finde ich euren Podcast doch besser (auch wenn der Themenschwerpunkt sich natürlich unterscheidet).

    Zum Thema Hartz IV finde ich, dass es medial immer verkehrt dar gestellt wird.
    Wenn ein Hartz IV Empfänger Geld verdient wird ihm kein Geld weggenommen oder wie im Zeit Artikel beschrieben „bislang dürfen nur bis zu 100 Euro behalten werden“.
    Vielmehr reicht das Gehalt nicht zum Leben aus und um ein Existenz Minimum zu gewährleisten gibt der Staat dem Menschen Geld zum Einkommen dazu.
    Da wird nichts weggenommen. Dadurch entsteht ein völlig negatives Framing.

    Es wird so viel über Hartz IV debattiert allerdings mit so viel halbwissen, besonders bei den Politikern!
    Herr Whittaker fordert pauschalierte Einmal Bedarfe z.B. für Schwangere. Diese existieren bereits nur werden sie teilweise von jedem Jobcenter in unterschiedlicher Höhe festgelegt.
    Die Kosten der Unterkunft zu pauschalieren ist eine sehr gefährliche Sache!! Soll jemand genauso viel Geld für eine Wohnung in Berlin wie in Duisburg erhalten? Damit fördert man die Armut in teuren Regionen.
    Oder wie Frau Karliczek sagen würde: Man muss ja nicht in einer teuren Stadt leben.
    Herr Whittaker fordert auch eine Bagatellegrenze. Richtiger Ansatz!! Diese Grenze gibt es schon nur liegt sie bei 7 Euro.
    Eine Erhöhung sollte dringend mal diskutiert werden, gerne auch außerhalb von Wahlkämpfen.

    Häufig würde es den Politikern helfen Mitarbeiter aus der Praxis mit einzubeziehen.

    Kinderarmut ist immer ein großes Thema!!
    Kindergeld, Elterngeld, Unterhalt oder auch Unterhaltsvorschuss werden voll auf die Leistungen abgerechnet. Nun diskutiert die SPD über eine Extraleistung für Kinder.
    Wenn Kindergeld usw. nicht mehr angerechnet werden müssten hätten Eltern mehr Geld für Ihre Kinder und es würde ein wenig Bürokratie abgebaut werden.

    Um zum Abschluss zu kommen. Ich finde es gut dass das Thema diskutiert wird aber ich würde mich freuen wenn mehr Expertise eingebracht würde. Besonders von den Politikern!!

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  2. Bin zufällig auf euren Blog gestoßen, erst einmal danke für eure spannenden und sehr informativen Themen und Diskussionen (und natürlich für die phänomenalen Überleitungen!).

    Ich habe eigentlich nur zwei kurze Anmerkungen/Rückfragen zu:

    1. der Fusionsfrage von Alstom und Siemens. Ihr zeigt schön am Präzedenzfall Boeing/Airbus wie eben in manchen Märkten eigentlich nur Platz für einen Player ist, es in jenem Fall aber für Europa durchaus Sinn gemacht hat Airbus im Markt zu lassen (Spillovers, Arbeitsmärkte etc.).
    Bei der Frage ob Alstom und Siemens deswegen eventuell fusionieren sollten weil China mit CRRC einen extrem wettbewerbsfähigen und zwar noch nicht, aber potentiell, innereuropäischen Konkurrenten stellt, würde ich aber ganz gerne einen Schritt weiterdenken: nehmen wir an die chinesische Nachfrage nach Zügen wäre irgendwann gesättigt. Dann würde es höchstwahrscheinlich zu einer „Zugschwemme“ nach Europe kommen. Was macht Europa dann? Sonderzölle auf chinesische Züge? Bei Solarzellen z.B., bei denen China einfach unschlagbare Produktionsvorteile hat (i.e. natürliche Ressourcen), hat man in Europa den Markt mehr oder weniger preisgegeben da quantitativ vernachlässigbar. Bei Zügen würde es mit Siemens und Alstom wiederum ans Eingemachte der Europäischen Industriestruktur gehen. Und erst mit dem Rücken zur Wand eine Fusion umzusetzen, um dann in der Übergangsphase umso mehr auf WTO-technisch schwierige Zollschranken vertrauen zu müssen (oder eben der dt. Bahn vorzuschreiben welche Züge zu kaufen sind) halte ich ebenfalls nicht für optimal…
    Was denkt ihr dazu? Habe ich irgendwo einen mikroökonomischen Denkfehler?

    2. den simulierten Arbeitsmarkteffekten der Ifo-Studie: ich sehe sowohl bei den Vorschlägen von CDU als auch denen des Ifo-Instituts die absolute Abschmelzgrenze von 640 Euro etwas kritischer.
    So wie ich das Ifo-Arbeitsmarkt-simulationsmodell verstehe, geht es hier rein um die Arbeitsangebotsseite, also die Frage wie anhand der Arbeitsangebotselastizitäten die Post-Reform-Beschäftigung simuliert werden kann. Gehe ich richtig davon aus dass jedoch die Krümmung der Arbeitsnachfrage-Kurve in diesem Punkt mitentscheidend für die Post-reform Arbeitsmarktsituation sein wird?
    Wenn die Reform (zumindest kurzfristig) nichts an der Produktivität der Betroffenen ändert handelt es sich um eine simple Verschiebung der Arbeitsangebotskurve nach rechts.
    Wenn die Nachfrage nach niedrig entlohnter Arbeit jedoch niedrig ist, und man sich in einem Standard-Arbeitsmarkt-Such-Modell befindet (vgl. Crépon et al. NBER 2012, Figure 1, Panel B) in welchem das Arbeitsangebot nicht-linear verläuft, dann würde die Reform dazu führen dass die (potentiell) Produktiveren unter HartzIV-Empfängern einen „Mehr-als-Minijob“ kriegen, während hingegen die anderen noch unwahrscheinlicher einen Job finden (da wahrscheinlich dann noch weniger Mini-jobs angeboten werden). Quasi ein zero-sum game. Somit müssten die 200.000 jobs zumindest in Stunden gegengerechnet werden mit denen die gar nicht mehr arbeiten werden.
    Warum ich diesen Punkt betonen ist dass die CDU/Ifo-Reform zwar viele gute Ansätze aufgreift, aber im Kern per Design immer noch einen Teil der HartzIV-Empfänger abschreibt und zusätzlich mit der 100%-Entzugsquote für [420;640] Euro noch härter bestraft…somit ein „Prekariat innerhalb des Prekariats“ entsteht.
    Ist dies das Opfer welches auf dem Altar der schwarzen Null gebracht werden muss?

    Würde mich freuen von euch zu hören, und noch ein schönes Wochenende.

    Antworten

    1. Zur Zugfusion:

      Ich glaube das Grundproblem ist, dass wir hier eigentlich über mehrere Märkte reden, die sich doch deutlich unterscheiden. Im Markt der Hochgeschwindigkeitszüge könnte ich eine Fusion nachvollziehen, beide Firmen machen aber auch noch eine Menge „normalerer“ Züge. Und in diesem Markt gibt es auch in Europa einen richtig gut funktionierenden Markt mit Herstellern in Deutschland (neben Siemens), Italien, Schweden, Spanien, … Da können auch Mittelständler mithalten, weil hier gute Ideen mehr wert sind als unfassbar viel Geld für Forschung, wie man sie für einen Hochgeschwindigkeitszug wie ICE/TGV braucht. Auch ist das Marktvolumen ein ganz anderes. ICEs werden halt nur sehr wenige verkauft, normale Züge viele. In beiden Märkten werden die Chinesen wohl irgendwann angreifen. Der Angriff bei den Hochgeschwindigkeitszügen wird wohl etwas dauern (weil technologisch aufwändiger), bei den normalen Zügen kommt der Angriff früher. Da Europa dort aber viele Anbieter hat, wäre ein weiterer Anbieter aus China nicht soooo kritisch. Ist halt normaler Wettbewerb wie er bei Autos auch kommenw wird. Bei den Hochgeschwindigkeitszügen sehe ich das ganze sehr viel kritischer, weil hier ein viel kleinerer Markt auf dann drei Anbieter trifft, von dem einer mit staatlicher Grundlagenforschung aufgepäppelt wird, auf dem Heimatmarkt quasi ein Monopol hat und mit niedrigen Lohnkosten extrem wettbewerbsfähig ist. Ich wäre nicht komplett überrascht, wenn da selbst ein fusionierter europäischer Champion in der Lage Probleme bekommen würde. Zwei getrennte Firmen bekommen die Probleme garantiert.

      Wie Europa darauf reagiert? China Subventionen nachweisen und Zoll verhängen wäre noch der optimale Ausgang. Alles andere würde böser enden.

      Zum Arbeitsmarkt:

      Sehe alle deine Punkte und bin bei dir. Ich habe das nicht so weit ausdifferenziert. Ich wollte die Studie nur anreißen, habe aber IIRC gesagt, dass ich mir auch nicht vorstellen kann, dass das Arbeitsvolumen in Stunde so stark ansteigt, dass dabei sogar noch Arbeitsplätze entstehen. Also alle arbeiten stundenmäßig mehr (weil ja die ersten Stunden voll verrechnet werden), aber trotzdem gibt es nachher noch mehr Arbeitsplätze als vorher. Man muss ja sehen, dass eigentlich schon eine stabile Anzahl von Arbeitsplätzen bei steigenden Stundenzahl schon ein dicker Erfolg wäre.

      Ich bin jetzt ehrlich gesagt auch etwas überrascht, dass die „Spezialeffekte“ so stark sein sollen, dass das Arbeitsvolumen sooo stark steigen würde, dass sogar neue Arbeitsplätze entstehen würde. Woher kommt diese zusätzliche Nachfrage? Über den zusätzlichen Lohn? Wenn wir über den Mindestlohn diskutieren, ist dieser Aspekt auf jeden Fall nicht wichtig, wird er es in der Hartz4-Aufstocker Diskussion plötzlich? Bei der Produktivität sehe ich (wie du) auch keine so sonderlich großen Aspekte (für den Arbeitnehmer ist es natürlich viel günstiger, wenn er nicht fünfmal in der Woche für jeweils 1,5 Stunden zu Arbeit fahren muss, sondern die Fahrzeit auf längere Arbeitszeiten „umlegen“ kann. Aber so berechnet sich Produktivität ja nicht, die ist rein auf Arbeitgebersicht).

      Ein Erklärungsversuch: Wir bekommen eine „Umschichtung“ im Minijobmarkt. Die „alten“ Minijobs machen nur Leute, die nicht aufstocken (weil Partner das Geld nach Hause bringt/weil es Zuverdienst zur Rente ist/…), die neuen „Mehr als Minijobs“ gehen dann an die Aufstocker. Wie diese optimale Verteilung entstehen soll (automatisch durch den Markt?) ist mir aber unklar.
      Andere Erklärung: Viele Arbeitgeber wollen mehr beschäftigen, es lohnt sich aber für den Arbeitnehmer nicht. Kann zB immer der Fall sein, wenn nicht 2 Vollzeitstellen (zB an der Kasse) auf 8 Minijobs verteilt wurden, sondern weil der Arbeitgeber nur einen Minijob (zB Buchhaltungshilfe) hat. Bei ersterem würde ich auch klar die Gefahr einer Verdrängung (statt 8 Minijobs gibt es dann 5-6 „Nicht-mehr-Minijobs“) sehen, bei zweiterem gibt es natürlich eine gute Chance auf produktive Mehrstunden.

      Ob das ifo-Institut das jetzt alles im Simulationsmodell drin hat, ob die Krümmungen stimmen, tja, ich weiß es nicht. Die „900.000 Jobs weniger durch 8,50-Euro Mindestlohn“ waren auf jeden Fall nicht sonderlich pralle simuliert …

    2. Zum Thema Siemens/Alstom:

      Der Economist berichtet in seiner aktuellen Ausgane von vielen Rückschlägen des chinesischen Marktführers, die sie außerhalb von China hinnehmen mussten. Die Gründe sind Qualität wie auch Sicherheitsbedenken und in der Entwicklung liegt vielleicht auch der Schlüssel für die retrospektive Analyse der Entscheidung Vestagers.

      CRRC tut sich schwer, in andere Märkte zu expandieren.. so mein Stand der Dinge. Imaginieren kann man ob der Größe natürlich viel, aber das schadet dann vielleicht dem eigenen Markt. Ich bin immer skeptisch, wenn Untetnehmen ein Gefallen getan wird, da dieser auch bezahlt werden muss.

      mfg
      mh

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