„Wer redet, sollte auch handeln, und nur wer handelt, sollte reden.“

Das ist die zentrale These des neuen Buchs von Nassim Nicholas Taleb: «Das Risiko und sein Preis: Skin in the Game». Nur wer für die Risiken seiner Taten persönlich einsteht, trifft seine Entscheidungen so, dass sie für ihn und die Gesellschaft tragbar sind. Nur Menschen mit «Skin in the Game» kennen den Preis des Risikos. Wenn sie gewinnen, gibt es einen Bonus, wenn sie verlieren, einen Malus. Falls sie sich irren, verlieren sie ihren guten Ruf und ihre Glaubwürdigkeit. Sollten sie richtig liegen, sind sie Helden. Taleb wiederholt seine zentrale These im Buch in zahlreichen Variationen und veranschaulicht sie mit vielen Beispielen aus dem Alltagsleben. Die eigene Haut aufs Spiel setzen: Da geht es nicht nur um Finanzielles, sondern immer auch um die Ehre. «Skin in the Game» begründet Fairness. In Talebs Ethik ist nur ein tätiges Leben ein gutes Leben. Worte alleine begründen noch kein Handeln. 

„Hören Sie lieber auf Ihre Großmutter!“

Leider, so klagt Taleb, gibt es in unseren modernen Gesellschaften zu viele berufsmässige Schwätzer. Diese müssen nicht für die Risiken einstehen, die sie eingehen. Wer Talebs Twitterfeed folgt, kennt das Thema. Über nichts ereifert er sich lieber.  Er hat sogar ein Akronym für diese Sorte Mensch erfunden: IYI – intellectual yet idiot. Dazu zählen vor allem Politiker, Journalisten und CEOs. Dazu gehören auch Wissenschaftler, die er gerne «Szientisten» nennt. Diese alle profitieren davon, wenn eine Entscheidung gut geht. Im Verlustfall oder bei Irrtum überlassen sie das Risiko jedoch anderen. Der Risikoexperte rät seinen Lesern und Leserinnen deshalb, sich lieber auf das Wissen ihrer Grosseltern zu verlassen als auf professionelle Besserwisser. Letztere sind aus seiner Sicht keine wahren Experten.

„Es gibt eine perfide Bereichsabhängigkeit im Hinblick auf Experten­wissen: Der Elektriker, der Zahnarzt, der Spezialist für die unregel­mäßigen Verben im Portugiesischen, der Kolonoskop-Assistent, der Londoner Taxifahrer und der algebraische Geometer (plus-minus einige lokale Varianten) verfügen über Expertenwissen – ganz im Gegensatz zum Journalisten, dem Bürokraten im Außenministerium, dem klinischen Psychologen, dem Management-Theoretiker, dem Verlagsleiter und dem Makroökonomen.“

Namentlich gehören die Ökonomen Paul Krugman und Richard Thaler, der Psychologe Steven Pinker, der Evolutionsbiologe Richard Dawkins und der podcastende Neurowissenschaftler Sam Harris zum Kreis der IYI. Doch wie entlarvt er sie als solche? Das geht ganz einfach, meint Taleb:

„Lassen Sie mich in Ruhe mit Ihrer Meinung; sagen Sie mir ein­fach, was Sie in Ihrem Portfolio haben.“

Und wie ist es mit Talebs Portfolio? 

Am Portfolio erkennt der ehemalige Trader also, wer tatsächlich «Skin in the Game» hat und entsprechend handelt. Wir wollen im nächsten Wirtschaftsliterarischen Quartett seinen Vorschlag aufnehmen und die Probe aufs Exempel machen:

  • Was ist in Nassim Nicholas Talebs Portfolio? Worum geht es in seinem neuen Buch?
  • Wieviel „Skin in the Game“ ist bei ihm selber dabei? Ist er ein eitler Provokateur oder ein humorvoller Ästhet, dem das Wohlergehen der Gesellschaft am Herzen liegt?

Die verwendeten Zitate stammen aus dem Vorabdruck der deutschen Übersetzung von Susanne Held, die uns der Penguin-Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Das Buch ist inzwischen auch im Handel erhältlich: https://www.amazon.de/Das-Risiko-sein-Preis-Skin/dp/3328600264

Posted by Barbara Bohr

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