Kommentare ausblenden Kommentare anzeigen

13 Kommentare

  1. Danke für die Folge! Bzgl. Libra würde ich mir einen tiefere, mehr ökonomische Betrachtung wünschen. Ich gestehe ein, dass ihr da durch die Hörer in verschiedene Richtungen gezogen werdet.
    Speziell bei Libra:
    • Geschichtliche Einordnung: Währung von Firmen gab es bestimmt schonmal. Spontan fällt mir die East India Company ein (und Wikipedia bestätigt das). Das Zielpublikum war da auch identisch zu Libra 😉. Kann man da evtl. parallelen ziehen und herausfinden, wie das ganze sich in Zukunft evtl. entwickelt?
    • Rechtliche Einordnung: Wurde am Ende kurz erwähnt. Ist es ein ETF, sind es Gutscheine… welche rechtlichen Konsequenzen gibt es dadurch? Geldwäschegesetze? Absicherung? Was passiert, wenn die Libra-Firma insolvent wird?
    • Ökonomische Einordnung: Ein bisschen Währungstheorie (z.B. Optimum Currency Area, Gresham’s law, … kA). Was passiert, wenn ein Entwicklungsland eine „stabile“ Währung von anderen Ländern verwendet (Vorteile/Nachteile). Was sagt der IMF dazu?
    • Technische/organisatorische Einordung: Wie unterscheidet sich das Modell von einem Zentralbankmodell, welche Sachen sind möglich, welche in einem Zentralbankmodell nicht möglich sind?

    Antworten

    1. da kann ich nur auf den anfang unserer sendung verweisen. unsere möglichkeiten sind begrenzt.

      mfg
      mh

    2. Die Folge war als „Basis“ für weitere Diskussionen gedacht. Erstmal einen Überblick geben, soweit es angesichts der noch nicht vollständig klaren Datenlage möglich ist.

      Die geschichtliche Einordnung traue ich mir nicht zu, schätze nicht, dass dazu noch was kommen wird. Sorry.

      Die rechtliche Einordnung (u.a. auch wie die Notenbanken reagieren), wird uns ziemlich sicher nochmal beschäftigen. Das wird – aller Voraussicht nach – auch in den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich ausfallen.

      Zur ökonomischen Einordnung: Die grobe Idee, dass eine solche stabile Cyberwährung für schwache Entwicklungsstaaten (die ja auch Zielrichtung der Währung sind) dort gravierendere Auswirkungen hat als im Westen, haben wir ja angerissen. Dazu wird sicherlich noch mehr kommen.

      Deinen vierten Punkt verstehe ich nicht genau (also was damit gemeint ist, was nicht bei „Rechtlicher Einrdnung“ schon drin ist.

  2. Hi, danke für die Episode zu Libra. Ich fand die Folge sehr gelungen. Die Idee das Thema über die Hauptkritikpunkte abzuarbeiten war sehr kurzweilig.

    Ich glaube das Versprechen Facebooks mit Libra den unbanked zu helfen, habt ihr evtl. etwas zu gutgläubig hingenommen. Die meisten dieser Menschen haben kein Smartphone/Internet oder einfach zu wenig Geld für ein Bankkonto. Es wird im white paper auch bis auf den einen Absatz in der Einleitung überhaupt nicht darauf eingegangen, wie diese Menschen an Libra kommen sollen ohne bestehendes Bankkonto. Das finde ich etwas dünn angesichts dessen, dass es das Hauptziel von Libra sein soll, den Ärmsten der Armen zu helfen.

    Keep up the good work! Ich habe vor kurzem einen Podcast zum Thema digitale Währungen gestartet („Bitcoin, Fiat & Rock’n’Roll“) und beschäftige mich in den ersten Episoden intensiv mit Libra. Also falls euch das interessiert, freue ich mich auf einen „Besuch“ 😉

    Antworten

    1. Ich bin da nicht so skeptisch was den Smartphone-Durchsatz in Afrika betrifft. Die chinesische Transsion bietet bspw. haltbare Smart- und Featurephones in Afrika für 10 Dollar an. Der Absatz ist gigantisch, wird im Westen aber kaum realisiert.

      mfg
      mh

    2. Alexander Bechtel 7. Juli 2019 um 17:04

      Der Global Findex Report, der im Libra white paper zitiert wird, hat die genauen Zahlen. Von den 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankkonto besitzen 1 Milliarde ein Smartphone und 500 Millionen Internetzugang.
      Das Problem ist aber, dass zwei Drittel dieser Menschen laut Umfrage kein Bankkonto haben, da sie zu wenig Geld besitzen. Daran kann leider auch Libra nichts ändern. Außerdem ist es völlig unklar, wie jemand ohne Bankkonto an Libra kommen soll. Im Endeffekt müsste Facebook vor Ort lokale Wechselstuben einrichten oder ähnliches.

    3. das geld in libra könnte bspw. über mobilfunkzahlung fließen. daher erwähnten wir auch safaricom und den m-pesa. niemand hält facebook davon ab hier weitere lösungen zu entwickeln. wichtig ist der markteintritt an sich.

      im regelfall ist es so, dass erst das angebot kommt und dann der markt entsteht. das angebot kommt aber wegen der zweifelsohne vorhandenen nachfrage nach günstigeren lösungen.

      ich sehe hier einen klassischen fall für markveränderungen.. selbst dann, wenn facebook scheitert, da die konkurrenz wird reagieren müssen.

      d.h. natürlich nicht, dass die lösungen alle erreichen werden. die erstkunden werden natürlich auch menschen sein, die gele aus dem ausland erhalten.. von dem geld kann man dann auch so ein handy kaufen. der rest läuft mE über den preis.. also die kostensenkungen.

      mfg
      mh

    4. Also danke erstmal für das Lob und viel Erfolg mit deinem Podcast. Ich werde mal reinhören; höre bisher aus der Ecke nur den Honigdachs.

      Deinen Kritikpunkt an den „Underbanked“ kann ich teilweise nachvollziehen, teilweise aber auch nicht.

      1.) M-Pesa ist in Afrika supererfolgreich. Indien hat zwei (?) ähnliche Systeme. Das sind explizit Systeme, die für kleine Geldbeträge ausgelegt sind und die man auch mit 5$-Prepaid-Karten aufladen kann. Es ist für solche Systeme ausreichend Smartphones (tw auch Feature-Phones) und Internet vorhanden.
      2) Der Kritikpunkt mit „zu wenig Geld“ ist richtig, nur würde ich das umdrehen: Wenn Calibra es nicht schafft, M-Pesa (etc) von den Features und vom Preis her zu schlagen, wird es scheitern. Man muss aber eben auch sehen, dass wir hier über ein Ökosystem reden. Sprich: Wenn es Calibra/Facebook nicht hinbekommen, die Anforderungen vor Ort zu erfüllen, kann das auch ein Partner vor Ort übernehmen. P2P Zahlungen offline, die Aufladeinfrastruktur über Prepaid-Karten, … Man muss hier zwischen der Idee (Libra) und Facebooks Implementierung (Calibra) unterscheiden.
      3.) Ja, Facebook kann/will mit der Zielrichtung „Underbanked“ möglicherweise ablenken und am Ende vielleicht doch nur die Kreditkarte und Apple/Google Pay für die Uber-Zahlung in New York verdrängen wollen. Was aber etwas für die von Facebook versprochene Zielrichtung spricht: Facebook ist in der Entwicklungsländern weiterhin stark. Wo die Marktmacht in den USA/Europa leicht bröckelt, ist das Wachstum in Afrika weiterhin stabil. Auch die Margen sprechen eindeutig für die Zielrichtung Underbanked (Lidl Pay will 0,15% bis 0,2% erreichen und auch das liegt nur wenig unter den Kosten für die Zahlung mit Kreditkarte oder Zahlungsabwicklung über externe Dienstleister; hingegen verlangen Dienstleister wie Western Union oder M-Pesa oft Gebühren, die im schlimmsten Fall auch zweistellige Prozentbeträge ausmachen können)

    5. hier zu ein hinweis. facebook arbeitet seit jahren daran afrika online zu bringen. früher per satellit, heute u.a. über drohnen. bisher mit eher mäßigem erfolg, aber das ziel verbindet sich mit der absicht, zahlungen zu ermöglichen.

      https://www.gemeinsam-fuer-afrika.de/wie-facebook-afrika-in-zukunft-mit-internet-versorgen-will/

    6. Ach so: Zu den Telefonen: Libra erwähnt einige Male, das ein 40$ Smartphone ausreichend sei. Das mag jetzt für die Ärmsten der ärmsten viel Geld sein. Für alle, die Zahlungen über Libra aus dem Ausland bekommen, aber durchaus vertretbar. Es reicht ja ein ausgemustertes Android 6 Smartphone. Außerdem spielt die Zeit ganz klar für das Smartphone. Afrika gilt hierzulande noch als „Feature Phone“-Markt (auch weil sich genau darüber M-Pesa durchgesetzt hat), ist aber inzwischen defakto genauso durch Android dominiert wie fast alle anderen Märkte der Welt. Beim Neuverkauf spielen Feature Phones kaum noch eine Rolle, aber auch im Bestand dürfte der Marktanteil schon unter 10% gesunken sein. (Ich würde sogar tippen, dass in Afrika der Marktanteil von Apple inzwischen höher als der Marktanteil aller Feature Phones zusammen; man unterschätzt Afrika (aus kolonialer Arroganz?) oft)

  3. Da ihr ja in eurer Sendung das Feedback zu eurer Folge angemossert ( 😉 ) habt nun mein Feedback:
    Ich hatte mich bis zum hören der Sendung nicht viel mit dem Thema Libra beschäftigt. Grundlegend finde ich das Modell nur semiinteressant.
    Was mir dabei aber auffiel das Facebook nun auch den Weg ala Uber und Airbnb geht. Sie bieten eine Plattform an und werden dann nicht selber zum Finanzdienstleister sondern teilen die Verantwortung für das ganze sogar noch auf bis zu 100 Schultern auf. Ich finde es spannend zu sehen wo dann der Benefit für Facebook am Ende entsteht.
    Wirklich nur bessere Werbung durch die Information welche Sachen erworben wurden innerhalb des FB-Kosmos? (Transaktionen zwischen verschiedenen Plattformen sollen ja nicht auswertbar sein wenn ich das richtig verstanden habe)
    In den Whitepapern ist nun ja auch der Ansatz eines dezentralen Identitätssystems genannt worden. Das finde ich schon interessanter.

    Mal sehen wo der Weg hingeht.

    Antworten

    1. Wobei der Unterschied sein wird, dass Uber & Co. direkt an jeder Transaktion an der Plattform beteiligt ist und die volle Kontrolle ausübt. Bei Facebook sieht es anders aus, weil viele Partner integriert werden.

      Daher ist dein Gedanke gen Plattform eigentlich recht interessant, weil es könnte auch sein, dass von Libra nichts bleibt.. aber der veränderte, kooperative, Plattformgedanke bleibt.

      mfg
      mh

    2. Das Identity-Thema wird total interessant, v.a. weil es irgendwie auch „verteilt“ sein soll. Das ist jetzt natürlich eher ein IT- als ein Wirtschafts-Thema. Zumindest so lange es so unklar ist, wie genau es funktioniert. Sobald mehr Infos bekannt sind, muss man sich das aber auf jeden Fall unter dem Aspekt der Marktmacht anschauen. Grundsätzlich wird es spannend zu sehen, wie sich das Libra-Ökosystem für die Partner darstellt. Werde ich in dem Dienst über Paypal genauso bezahlen können wie über die Facebook-Wallet Calibra? Sprich sind alle Wallets gleichberechtigt? Und selbst wenn alle Wallets gleichberechtigt sein sollten, muss ich in meiner Online-Shopping-App Calibra und Paypal und Librapay und alle anderen Wallets alle einzeln implementieren? Am Ende stellen sich ähnliche Fragen bei der Identität. Gleichberechtigt? Verteilt? Oder zig Lösungen, die nebeneinander stehen (aus Sicht einer Drittanbieter-App)?

      Egal wie offen Libra sein mag: Wenn die Integration der Zahlungs- und/oder Identitätsfunktion in die Shopping-App nur über die Calibra-App gemacht wird (weil die 2,4 Mrd. Nutzer hat), könnte die Association auch nur auf dem Papier stehen und am Ende eh alles Spannende über Facebook/Calibra passieren. Würde ich nicht ganz ausschließen, dass Libra am Ende zu 95% oder mehr dann doch nur Facebook ist. Mal schauen …

Einen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.