Mehr Zukunft, bitte!

Im MikroBuch008 werden wir über das Buch «Die Große Transformation. Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels» sprechen. Wir haben uns einige Male kritisch geäussert, dass in vielen Analysen zum Status von Wirtschaft und Gesellschaft zwar die Gegenwart genau seziert wird, für die Zukunft aber nur wenige Seiten mit ein paar Appellen ausreichen müssen. (Das haben wir beispielsweise bei den Besprechungen zu Raworth, Mazzucato und Brunetti kritisch angemerkt). Die «Grosse Transformation» verspricht nun endlich, den Schwerpunkt auf die Zukunft zu legen. Dabei erhalten wir eine zusammenfassende Gesamtsicht auf die Positionen des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, dessen Präsident Uwe Schneidewind Hauptautor ist.

Positive Grundstimmung

Ausgangsthese des Buches ist, dass die Welt des Jahres 2050 eine bessere und nachhaltigere sein kann. Die Grundstimmung des Buches ist eine positive, denn «Veränderung funktioniert nicht, indem wir ständig erklären, dass alles schlimm ist und wir anders handeln müssten.» (Schneidewind). Damit will das Institut einen Beitrag dazu leisten, positive Zukunftsbilder entstehen zu lassen. Nachhaltigkeit ist nämlich weder spießig noch hip, sondern eine «faszinierende Zivilisationsidee». Solche positiven Zukunftsbilder nutzen Planer gerne im Rahmen der Backcasting-Methode, um Richtlinien und Programme zu identifizieren, die diese gewünschte Zukunft mit der Gegenwart verbinden. Das machen auch Schneidewind und seine Kollegen systematisch und ausführlich. Das Buch schliesst programmatisch an zwei Veröffentlichungen an: Karl Polanyis «Great Transformation» und dem Gutachten «Welt im Wandel» des wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) aus dem Jahr 2011. Dieses Video gibt einen schönen Einblick in die positive Grundidee des Buches:

Das Wuppertaler Transformationsmodell

Das mächtige Buch (520 Seiten incl. Quellenangaben!) besteht aus drei Hauptteilen. Sie bilden zusammen das Wuppertaler Transformationsmodell. Zunächst werden die aktuellen Probleme aus globaler Sicht erläutert. Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem jetzigen Kapitalismus. Der zweite Hauptteil widmet sich den Bereichen , die transformiert werden müssen. Sie sind die «Arenen» des Handelns:

  • Wohlstand und Konsum
  • Energie
  • Ressourcen
  • Mobilität
  • Ernährung
  • Stadt
  • Industrie

Der dritte Teil beschreibt die Hauptakteure und ihre Verantwortung für eine gelingende Transformation. Dazu zählen Zivilgesellschaft, Politik, Unternehmen, Wissenschaft und das Individuum.

Bewertung

Trotz seines Umfangs und zahlreicher langer Buzzwords aus der Politikberatung ist das Buch leicht lesbar. Das kann misstrauisch machen. Sind da etwa Blender am Werk? Entsteht der positive Eindruck nicht allein nur deshalb, weil die Flughöhe hoch genug ist und damit Komplexität ausgeblendet wird?

Diese und andere Fragen werden wir diskutieren. Wenn ihr das Buch kennt, diskutiert vorab mit oder nutzt die Gelegenheit, es über den Podcast kennenzulernen. Nähere Informationen zum Buch findet Ihr hier.

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Posted by Barbara Bohr

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