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Posts tagged as “chapter 11”

Mikro061 Nachrichten

Liebe Hörerinnen,
Liebe Hörer,

die Mikroökonomen sind ein unabhängiger Podcast über Wirtschaft, der, Wir wollen keine Werbung machen und dauerhaft ein unabhängiges Informationsangebot aufbauen, das die Dinge anders macht. Möglich wird dies erst durch Euch. Vielen Dank dafür!

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»Toys ›R‹ Us« ist Pleite!

Mit »Toys ›R‹ Us« gibt es ein weiteres Opfer des Verteilungskampfes im Einzelhandel, bei dem momentan die Onlinehändler, hier zuvorderst Amazon, die Oberhand gewonnen haben. Die Pleite ist zunächst ein reines Cashproblem. Dem Unternehmen fehlte die ausreichende Liquidität für das Weihnachtsgeschäft. Nun soll ein vorrangig zu bedienender Übergangskredit über 3 Mrd. Dollar über die Runden helfen.
Eine Insolvenz ist zunächst nichts Schlechtes. Im Insolvenzschutzverfahren per Chapter 11, in dem »Toys ›R‹ Us« sich nun befindet, kann das Unternehmen seine Schulden reduzieren, verlustträchtige Filialen loswerden und, weniger schön, Pensionsverpflichtungen reduzieren respektive ausgliedern. Zudem sollen die verbleibenden Geschäfte neu aufgebaut werden. Das Schlüsselwort lautet »in-Store experience«, also Spielflächen, auf denen man das zu kaufende Spielzeug erfahren kann.

Wie wichtig es auch künftig sein wird, Filialen vor Ort zu haben, zeigte zuletzt bezeichnenderweise Amazon mit der Übernahme der US-Biokette »Whole Foods«. Nicht jedes Geschäft eignet sich für den reinen Versandhandel. Je höherwertiger die Ware, desto haptischer wünscht die Kundschaft, sie zu erleben. Zum Abgleich der These muss man sich nur auf Amazon umschauen. Kleinigkeiten, Alltagsartikel oder hoc standardisierte Produkte wie Bücher dominieren. All das, von dem der Kunde weiß, dass er es möchte. Das Besondere findet auf Amazon hingegen nicht statt.

Doch es geht auch um die hohe Kunst der Kalkulation. Es ist bezeichnend, dass »Toys ›R‹ Us«, das den Finanzinvestoren KKR, Bain Capital und Vornado gehört, nicht gegen die Konkurrenz aus dem Netz anstinken konnte. Rechnen können sie alle, aber die Fähigkeit Geschäftsbereiche über Gebühr quer zu subventionieren, um Konkurrenz aus dem Markt zu treiben, ihre Stärkephasen zu überleben, die fehlt den alten Konzernen.
Hierin findet sich auch eine Umkehr des Bisherigen, denn »Toys ›R‹ Us« war ein hochspezialisiertes Unternehmen in einer Nische, das die Nebenbeiabteilungen der Konkurrenz in Form von Kaufhäusern und kleineren Läden, durch seine Preisgestaltung platt gemacht hat. Jetzt verändert sich der Markt erneut und nun wird der Konzern selbst ein Opfer des Wandels. So schnell kann es gehen.

Mein Tipp lautet: Den Massenmarkt kann man momentan nicht gegen die Platzhirsche aus dem Netz verteidigen. Gewinner werden daher kleinere, neuere Einheiten sein, die den Kunden etwas verlockendes anbieten… Abseits der Effizienz.

Gruselzahl am Ende: In 2017 sind in den USA bereits 20 nennenswert große Einzelhändler pleite gegangen.

Quellen:

Der Makronom wird steinreich!

Ihr kennt das ja. Die einen werden arm und gehen pleite und die anderen verdienen Milliarden. Während wir uns entschieden haben das Angebot der Mikroökonomen möglichst immer für alle zugänglich zu halten, möchte das Debattenportal für Ökonominnen, der Makronom, wachsen und verlangt künftig Geld. Per Twitter befragt, wie das denn nun kam, antwortete man uns »Die einen werden durch Lob schamhaft, die anderen frech.« Ein Zitat von Nietzsche, der wohl nicht umsonst in der Klapsmühle landete.

Der Deal ist folgender: Wer Geld reinwirft, bekommt künftig alle Beiträge. Wer nichts bezahlt, muss einzelne Beiträge auslassen. Das Bezahlmodell scheint fair. Man kann 3 Euro, 7 Euro oder 12 Euro monatlich bezahlen und bekommt immer das Gleiche, nämlich alle Artikel. Die Höhe des Preises definiert also den Faktor »Möglichkeit zur Liebe«. Als armer Podcaster werfe ich 3 Euro monatlich in den Topf, damit wir hier weiterhin informiert sind. Und keine Sorge… wir hoffen, demnächst mehr Makronom mit dem Makronom hier im Podcast stattfinden zu lassen. Gebt uns etwas Zeit.

Quelle:

Bankensterben in Russland

Schon lange schwelten die Gerüchte im Markt. Ende August musste die russische Zentralbank dann doch eingreifen. Otkritie, die zweitgrößte Privatbank und achtgrößte Bank des Landes wurde von der Zentralbank mehrheitlich übernommen. Die Bank gilt als systemkritisch, das Einschreiten entsprechend als alternativlos. Der Fall zeigte, dass der russische Markt soweit funktioniert, wie er funktionieren soll. Das Ratingvon Acra, einer russischen Ratingagentur, lag mit BBB- im tiefsten Junkbereich. Im Juli und August hatten Sparer 1/5 der Einlagen aus der Bank abgezogen, das sind immerhin 7,5 Mrd. Euro.

Wie die FT nun am Mittwoch berichtete, beantragte eine weitere Bank Hilfen bei der russischen Notenbank. Die B&N Bank ist einer größten Anbieter von Krediten für Privatkunden. Die Nummer 12 in Russland.
Und hier zeigt sich, wie wenig gut das russische System dann doch funktioniert. Der Analyst Sergej Gawrilow hatte in einem Investorenbrief davor gewarnt, dass vier Privatbanken in Schwierigkeiten seien. Sein Arbeitgeber, die Alfa Bank, wurde von der Aufsichtsbehörde gezwungen, den Investorenbrief zurückzuziehen. Die Nachricht selbst ist aber nun im Markt und die Gerüchte sowie große Verunsicherung schießen ins Kraut.
Fakt ist: Nummer zwei von vier hat sich nun gemeldet.
Für den Normalbürger heißt das erstmal nur, dass er wachsam sein muss. Und in Russland kann man schon seit längerem nicht mehr als 10.000 Rubel, sprich 145 Euro, am Stück am Geldautomaten abheben. Wer mehr braucht, muss dann mehrmals 10.000 Rubel abheben. Nach dem fünften Male ist meist Schluss. Eine Maßnahme, die seit der Rubelkrise in 2014, Bankruns erschweren soll.

Quellen:

Über die Ertragslosigkeit deutscher Banken

Aber auch die Banken in Deutschland haben zu kämpfen. Einem Bericht der Bundesbank zu Folge konnten die deutschen Institute nur 128,1 Mrd. Euro in 2016 verdienen. Also alle Banken, nicht eine. Die Bundesbank selbst gibt die Vorjahreszahl nicht an und interessanterweise waren viele Journalisten zu faul sie rauszunehmen. Stattdessen übernahm man die Wortwahl der Bundesbank. Schade eigentlich, denn eine Minute Arbeit fördert 127,9 Mrd. in 2015 zu Tage. Die Gewinnsteigerung ist moderat und trotzdem klingt das im Gesamten recht viel.

Ein Blick in die Details lässt jedoch aufhorchen: „Im Berichtsjahr reduzierte sich der über alle Banken aggregierte Zinsüberschuss um 4,9% auf 91,1 Mrd €. Das ist wichtig, weil der Zinsüberschuss für 71,2% der operativen Erträge verantwortlich ist. Wow!“

Dass das Ergebnis sich dennoch minimal steigern konnte, lag an der Auflösung von Rückstellungen für Gerichtsverfahren und und Pensionsverpflichtungen. Dazu muss man wissen, dass es im März 2016 eine Änderung der Abzinsungsregeln vorgenommen. Pensionsrückstellungen wurden bisher mit einem Durchschnittszinssatz der vergangenen 7 Jahre in den Bilanzen bewertet. Seit 2016 sind es die letzten 10 Jahre. Das führt dazu, dass der Durchschnittszins der Pensionsverpflichtungen weniger stark absinkt. Zur Erinnerung seien hier an die stark gesunkenen Zinsen seit 2008 erinnert. Wenn die Zinsen sinken, müssen die Unternehmen mehr zurückstellen. Und zwar 12% mehr für das erste Jahr der Pensionierung je 1% Zinssenkung. Wen das Thema in der Tiefe interessiert, der kann den Shownotes einen Beipackzettel entnehmen.

Weitere Erkenntnisse sind: Die Verwaltungsaufwendungen der deutschen Banken sinken zwar, sind im internationalen Vergleich aber immer noch zu hoch. Es werden immer mehr Dienstleistungen kostenpflichtig angeboten, diese gestiegenen Gebühren können die Verluste insgesamt jedoch nicht ausgleichen. Der Provisionsüberschuss sinkt daher um 2,3% auf 29,8 Mrd.. Diese zweitwichtigste Ertragskennzahl enthält Einnahmen aus dem Giro- und Zahlungsverkehr, dem Wertpapier- Kredit-, Spar-, Bauspar- und Versicherungsverträgen.

Quellen:

Intro-Music: Title: “Femme Fatale: 30a”; Composer: Jack Waldenmaier; Publisher: Music Bakery Publishing (BMI)

Marco Herack
Marco Herack

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